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Streit und Mobbing an der Tagesordnung: Grundschule kämpft mit Problemen

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22.04.2026

Glücklich sind alle: Schulsozialarbeiterin Michaela Braun, die sich nach der Aufstockung ihres Deputats auf 60 Prozent für die Fortsetzung ihrer Arbeit an der Grundschule Bermatingen entschieden hatte, Gemeinde und Schule, weil sie sich keine neue Fachkraft suchen und die Kinder, die sich nicht an ein anderes Gesicht gewöhnen mussten. Im Gemeinderat berichtete die bei den Zieglerschen angestellte und von der Gemeinde finanzierte Schulsozialarbeiterin unlängst vom vergangenen Schuljahr.

Neben den Gesprächen mit den Kindern hatte sie sehr viele mit den Lehrkräften. Themen waren hier die Kinder an sich und Klassensituationen. Gibt es Probleme mit einem Kind, tauscht sie sich auch mit den Betreuern aus, wie man gemeinsam vorgeht, um eine Verbesserung zu erreichen.  

Verdacht auf Kindeswohlgefährdung nachgegangen

Viermal gab es einen Verdacht auf Kindeswohlgefährdung. Glücklicherweise sei es nicht nötig gewesen, das Jugendamt zu informieren. Bevor sie eine Meldung machen könne, müsse sie sich an ein von ihrem Arbeitgeber vorgegebenes Verfahren halten. „Wir konnten dann eine Meldung vermeiden und die Kindeswohlgefährdung mit den ganzen Maßnahmen abwenden.“ Erfolgreich verliefen die Gespräche mit den Eltern, denen eine Kooperation zugunsten ihres Kindes ebenfalls wichtig war, sowie die Hilfsangebote.

Michaela Braun: „Wir haben an der Schule sehr viele Konflikte“

 „Kinder streiten. Wir haben an der Schule sehr viele Konflikte. Jeden Tag, nach jeder Stunde und nach jeder Pause“, so Michaela Braun. Aber nicht alles müsse von Erwachsenen geklärt werden. Ihr Wunsch sei es, Kinder zu befähigen, ihre Konflikte selbst zu lösen oder sich beispielsweise Hilfe bei anderen Kindern zu holen. Das lernten die Kinder, auch bereits Erst- und Zweitklässler, mit dem sogenannten Friedensteppich. „Sie werden beim ersten Mal angeleitet. Irgendwann können sie es alleine und sind dann ganz stolz darauf. “ 

Die Grundschule Bermatingen besuchten im vergangenen Schuljahr 176 Kinder, 15 Lehrkräfte unterrichteten, zwölf Betreuer kümmerten sich außerhalb des Unterrichts um die Kinder, drei Inklusionskräfte um Kinder mit besonderem Assistenzbedarf. Die Schüler waren auf acht Klassen verteilt. Mit ihnen allen arbeitet die Schulsozialarbeiterin eng zusammen. Von den 176 Kindern hatte sie 96, also mehr als die Hälfte, beraten. Es gab 235 Gespräche mit den Kindern, Einzelgespräche, manchmal wöchentlich oder mehrere pro Woche, je nach Situation.

Es habe viele Angebote mittags gegeben, um die Betreuer an den Tagen etwas zu entlasten, an denen viele Kinder zugegen sind. Seit vergangenem Jahr gibt es einen Schülerrat, der aus den jeweils zwei Klassensprechern aller Klassen besteht. Bei einem Treffen wurde nach den Wünschen der Kinder geforscht. Die Ideen und Wünsche waren bei ihrem Bericht 2025 auf Stellwänden sichtbar geworden. Einer der Wünsche, die realisiert wurden, war ein Teiler-Frühstück. Alle Kinder der Schule hatten zusammen gefrühstückt, sich auf Picknickdecken im Haus verteilt. „Sie konnten herumlaufen und bei den anderen schauen, was es dort zu essen gibt.“

Präventionsprojekt zu sexuellem Missbrauch

Beim Präventionsprojekt sexueller Missbrauch in den zweiten Klassen sollten die Kinder sagen, an welchen Stellen sie berührt werden wollen und wo nicht. Hier seien Unterschiede sichtbar geworden und man habe den Kindern vermittelt, dass sie auch „nein“ sagen dürfen und sie aufgefordert, in sich hineinzufühlen, was sie möchten. Dieses Projekt werde in den vierten Klassen wiederholt.

Beim Besuch des Bürgermeisters konnte der Schülerrat persönliche Fragen stellen. „Die Kinder waren total aufgeregt und hin und weg. Für sie war das ein ganz tolles Erlebnis“, so Michaela Braun. Ihr selbst sind präventive Angebote in allen Klassen besonders wichtig. Dabei lernten die Kinder sie kennen. Wenn sie ein Anliegen haben, sei die Hürde nicht so groß, sie aufzusuchen und um Hilfe zu bitten. Einmal pro Woche spricht sie in den Klassen über verschiedene Themen. Konflikte gebe es sehr viele innerhalb der Klassen und in größeren Gruppen innerhalb eines Klassenverbands. In fünf Klassen treten sie vermehrt auf.

Mobbing in dritten und vierten Klassen

Aktuell gebe es in den dritten und vierten Klassen fünf Kinder, die seit anderthalb Jahren gemobbt würden. Sie seien heftig betroffen, zeigten körperliche Beschwerden, könnten nicht mehr schlafen, wollten nicht mehr zur Schule. Die Kinder schämten sich oder hätten Angst, etwas zu erzählen, weil sie eine Verschlimmerung befürchten. Mobbing aufzudecken, sei nicht einfach. Drei Kinder hätten es ihr und den Lehrerinnen erzählt, bei zwei Kindern seien die Eltern auf sie zugekommen.

Mobbing trete generell in jeder Schule, oft versteckt, am häufigsten in Grundschulen auf, so Michaela Braun. „Das zu bearbeiten ist ein Kraftakt.“ Sie, Lehrer und Betreuungskräfte müssten gemeinsam daran arbeiten. Bei Mobbing gehe es nicht vordergründig darum, die Täter zu bestrafen, sondern andere Kinder motivieren, einzugreifen, Zivilcourage zu fördern. Die Klassen seien wieder auf einem guten Weg, aber man müsse dran bleiben, weil Mobbing immer wieder aufploppen könne.

„Bei allem Ernstem, es macht trotzdem Spaß“, beschloss Michaela Braun ihren Vortrag, der, so Rupp, bedauerlicherweise die Notwendigkeit von Schulsozialarbeit gezeigt habe. Ohne Schulsozialarbeit  wäre die Begleitung der Kinder gar nicht mehr vorstellbar. Deshalb habe man sie kontinuierlich ausgebaut.

Gemeinderätin Anja Kutter, SPD, fragte wegen eines eventuellen Mehrbedarfs an Stunden für Sozialarbeit vor dem Hintergrund einer Ganztagsschule und damit mehr Anwesenheit der Schüler an. Michaela Braun will die Situation erst einmal abwarten. Rupp meinte dazu: Vielleicht könne es sein, dass sich eine Gemeinschaft dann ganz anders zusammenfinde und eine Ganztagesschule positive Effekte habe.

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