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Bürgermeisterinnen in der Region: Der zähe Kampf gegen etablierte Männerbünde

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12.03.2026

Das Telefon auf dem Schreibtisch von Marion Frei klingelt. Ein Feuerwehrmann aus Dettighofen ist am Apparat. Er muss dringend ein Gerät für die Abteilung ersteigern. Bei einem verpassten Gebot entginge dem Dorf ein guter Fang. Die Bürgermeisterin klärt das Anliegen sofort. Kurz darauf tritt ein Mann unvermittelt in ihr Büro. Er verlangt eine Auskunft, jetzt. Frei nimmt sich die Zeit, erklärt den Sachverhalt über den Tisch hinweg. Kein Vertrösten auf Sprechzeiten, kein „Ich bin jetzt beschäftigt“. Man kennt sich in der 1100-Seelen-Gemeinde an der Schweizer Grenze.

Nahbarkeit prägt Freis Arbeitsalltag. Sie entschuldigt sich zweimal höflich für die Unterbrechungen, aber mit dem Selbstverständnis, dass die Interessen der Gemeinde wichtiger sind als ein Interview. Das Bild des abgehobenen Dorfoberhaupts verblasst hinter dem Pragmatismus. Bei ihrem Start 2014 stieß ihre anpackende Art – „Ich bin in der Landwirtschaft groß geworden, da ist Unterstützung untereinander normal“ – auf Verwunderung. Ob die bisherigen Briefbögen vernichtet werden sollen, wurde sie gefragt. „Da stand groß drüber: Der Bürgermeister“, erinnert sich Frei, mit Betonung auf der. „Haben wir natürlich nicht gemacht, sondern erst einmal alles aufgebraucht.“

Dass Marion Frei überhaupt Bürgermeisterin ist, überdeckt eine ernüchternde Statistik. Der Stuttgarter Soziologe Simon Stocker hat in Kooperation mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund Ende 2024 ermittelt, dass nur jedes zehnte Rathaus in Baden-Württemberg von einer Frau geführt wird, einer der niedrigsten Werte deutschlandweit (Durchschnitt: 13,5 Prozent). Dasselbe gilt für den Anteil der Bewerberinnen.

Viele Bürgermeister Jahrzehnte im Amt

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