Trotz Krisen: Warum die Deutschen wieder zufriedener sind |
Deutschland ist wieder ein Stück glücklicher geworden. Das zeigt der neue Weltglücksbericht 2026,der jedes Jahr von einem internationalen Forschungsteam rund um das Wellbeing Research Centre der Universität Oxford veröffentlicht wird. Die Verbesserung im Ranking mag auf den ersten Blick überraschend sein. Sie hat vor allem mit Ostdeutschland zu tun.
Grundlage für die Glücksstudie sind weltweite Befragungen, in denen Menschen angeben, wie zufrieden sie insgesamt mit ihrem Leben sind. Diese Selbsteinschätzung wird anschließend mit Faktoren wie Einkommen, Gesundheit, sozialer Unterstützung, persönlicher Freiheit und Vertrauen in Institutionen in Beziehung gesetzt.
Tatsächlich hat sich die Lebenszufriedenheit in Ost- und Westdeutschland stark angenähert. Der Osten hat in den vergangenen Jahren spürbar aufgeholt. Die Menschen dort finden, dass sich ihre Lebensverhältnisse verbessert haben.
Warum Deutschland im Weltglücksbericht steigt
Deutschland ist im Ranking von Platz 22 auf Rang 17 gerutscht. Damit liegt die Bundesrepublik jetzt vor Österreich (Platz 19). Der Anstieg lässt sich nicht auf einen einzelnen Grund zurückführen. Dahinter steckt nichts, was sich plötzlich geändert hat, sondern Lebensumstände, die sich langsam entwickeln: Habe ich einen sicheren Job? Reicht das Geld am Monatsende? Gibt es Menschen, auf die ich mich verlassen kann? Habe ich mein Leben im Griff? Diese Faktoren entscheiden darüber, wie Menschen ihr eigenes Leben bewerten.
Warum viele westliche Länder an Zufriedenheit verlieren
Der Blick über Deutschland hinaus zeigt im Weltglücksbericht ein anderes Bild. Viele westliche Industrieländer sind heute weniger zufrieden als noch im Zeitraum 2005 bis 2010. In 15 dieser Länder ist die Lebenszufriedenheit statistisch gesunken.
Besonders deutlich ist der Rückgang in Ländern wie den USA, Kanada, Australien oder Großbritannien. Dort haben sich die Werte in den vergangenen Jahren spürbar verschlechtert. Auffällig ist die Entwicklung bei jungen Menschen unter 25 Jahren. In den USA, Kanada, Australien und Neuseeland hat sich ihre Lebenszufriedenheit im internationalen Vergleich besonders stark verschlechtert – stärker als in den meisten anderen Regionen.
Vertrauen, Freizeit und Fahrrad fahren: Warum Dänen so glücklich sind
Helen Geyer und Jonathan Lyne
Der Bericht zeigt: Während sich die Zufriedenheit in vielen Teilen der Welt stabilisiert oder verbessert hat, geraten ausgerechnet junge Menschen in westlichen Ländern stärker unter Druck. Einzelne Ursachen werden in der Erhebung nicht genannt. Vielmehr geht es um grundlegende Veränderungen: weniger Vertrauen, schwächere soziale Bindungen und ein geringeres Sicherheitsgefühl.
Deutschland zählt zu einer kleinen Gruppe von Ländern, die sich gegen diesen Trend stemmen. Dazu gehören Portugal, Island und Finnland, die ihre Werte im langfristigen Vergleich verbessern konnten.
Warum Finnland trotz allem das glücklichste Land bleibt
Finnland ist zum neunten Mal auf Platz eins. Da stellt sich die Frage, was die Finnen so viel besser machen? Denn auch dort läuft nicht alles rund. Die Wirtschaft schwächelt, die Arbeitslosigkeit steigt und die Unsicherheit ist groß – auch aufgrund der Nähe zu Russland und des Krieges in der Ukraine.
Dem gegenüber stehen ein hohes Vertrauen in Institutionen, starke soziale Unterstützung, etwa bei Gesundheit und Bildung, sowie eine vergleichsweise geringe Ungleichheit. Diese Stabilität sorgt dafür, dass viele Menschen ihr Leben insgesamt positiv bewerten.
Vielleicht liegt ein Teil des finnischen Glücks aber auch an etwas ganz anderem: an der Sauna. Fast jeder Finne soll angeblich regelmäßig hineingehen. Studien sprechen eher von gut der Hälfte. Aber wer zählt schon so genau mit, wenn es am Ende reicht, um das glücklichste Land der Welt zu sein.
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