Energie und Wohnungen zu teuer: Das halten die Betriebe von unserer Region
Drei Themen machen den Firmen in Südbaden laut einer neuen IHK-Umfrage am meisten Ärger: Mangel an Flächen, hohe Energiekosten und langes Warten auf behördliche Genehmigungen. Zwar spricht Bettina Schuler-Kargoll, Vizepräsidentin der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, bei der Präsentation der Ergebnisse von „Licht und Schatten“, weil die Betriebe nicht nur kritisieren, sondern die südbadische Lebensqualität, Gastronomie und medizinische Versorgung loben und mit der Leistungsfähigkeit des Stromnetzes zufrieden sind. Hier gibt es auf einer Skala von 1 bis 5 fast nur Noten besser als drei. Doch letztlich bleibt der Blick an den Noten schlechter als 3,5 haften. Dazu gehören die Energiekosten (3,75), die, so Schuler-Kargoll, „die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe reduziert“. Auch von Schließung und Abwanderung ist unverblümt die Rede.
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es nicht nur wichtig, darüber Bescheid zu wissen, wie die Unternehmen die konjunkturelle Lage einschätzen, sondern man sollte auch hören, was sie über die Qualität einer Region zu sagen haben. Nur so ist es möglich, auf der politischen Seite Impulse zu geben und auf Verbesserungen hinzuwirken. Genau das ist die Absicht der drei IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, Südlicher Oberrhein und Hochrhein-Bodensee, die die Wirtschaft des Regierungsbezirks Freiburg abbilden. Damit die Kammern ein Bild über Zufriedenheit und Unzufriedenheit der Mitglieder gewinnen, hatten sie an alle einen Bogen mit 41 Fragen versendet. 1724 Firmen haben geantwortet, fast 480 mehr als bei der letzten Umfrage 2023 - was auf wachsenden Handlungsdruck hindeutet.
IHK-Präsident Conrady fordert Landesplan für Infrastrukturgelder
Der besteht auch an einer weiteren Front: Die Verfügbarkeit von Wohnimmobilien für Mitarbeiter muss als schwach bis sehr schlecht eingestuft werden. An der Spitze der Minus-Skala liegen der Landkreis Konstanz und der Stadtkreis Freiburg, gefolgt vom Kreis Emmendingen und vom Schwarzwald. Parallel dazu gelten die Kaufpreise bei den Firmen als schwindelerregend. Auch die Miet- und Kaufpreise für Gewerbeimmobilien werden insgesamt mit Note 3,5 als kaum attraktiv bewertet. Beim dem für das Gewerbe wichtigen Thema der Anbindung an das Autobahnnetz blickt man dagegen fast durchweg auf Bewertungen im 2er-Bereich, nur im Landkreis Waldshut ist man mit Blick auf die Hochrhein-Autobahn A98 schlecht gelaunt. „Es schmerzt, dass die A98 noch nicht gebaut ist“, sagt denn auch Thomas Conrady, IHK-Präsident in Konstanz, der auch die Funklöcher im ländlichen Raum kritisiert. Conrady macht sich daher für einen „Landesplan“ stark, mit dem im Zusammenspiel mit der neuen Landesregierung darüber befunden werden soll, wofür die Milliarden aus dem Infrastrukturfonds zweckdienlich ausgegeben werden sollen.
Im Schwarzwald stockt die Digitalisierung der Behörden
Schwache Noten aus dem 3er-Bereich erhielten auch die Bearbeitungszeiten von Genehmigungen und Antragsverfahren. Von den Entbürokratisierungsversprechen aus der Politik scheint bei den Landkreisen bisher kaum etwas angekommen geschweige denn umgesetzt zu sein. Auch digitalisierte Verfahren sind eher die Ausnahme. „Es gibt zu viel Papier, zu viele Ansprechpartner, zu lange Fristen“, sagt IHK-Vize Schuler-Kargoll dazu. Besonders im Schwarzwald und am Hochrhein ist es um behördliche Digitalisierung offensichtlich schwach bestellt, wie die Ergebnisse zeigen. Allerdings sind alle Ämter und auch die Freiburger Über-Behörde gemeint, wenn Schuler-Kargoll klagt: „Wer im Regierungsbezirk bauen will, braucht Geduld und starke Nerven!“
Neben einer guten (dualen) Ausbildung will der Präsident der IHK Südlicher Oberrhein, Eberhard Liebherr, bezahlbaren Wohnraum gestellt sehen. Allerdings beurteilen die Betriebe in der jüngsten Umfrage dieses Thema am skeptischsten. Initiativen von Firmen, eigenen Wohnraum für Mitarbeiter zu bauen und günstig zu vermieten, sind bisher aber allenfalls seltene Einzelinitiativen. Flächendeckende Versuche von Betrieben, gegen die Wohnraummisere vorzugehen, gibt es nicht. Das liegt vor allem am Bestreben der Firmen, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren. (mic)
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