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Von Taskforce und Trauerspiel – die Kapitulation

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05.03.2021

Am 3. März kippte es. Das war der Tag, an dem ich zum Wutbürger geworden bin. Und die Kanzlerin höchstselbst hat mich radikalisiert. Immerhin habe ich ein Jahr tapfer durchgehalten, ohne groß zu murren. Das allerdings ändert sich gerade.

Die Epidemie feiert hierzulande ein Jahr Geburtstag. Natürlich ohne Kerzen auspusten wegen der Aerosole. Groß feiern ist auch nicht, weil es halt immer noch diese Kontaktbeschränkungen gibt. Die im Zuge des letzten Bund- und Ländergipfels leicht gelockert wurden. In einem Rahmen allerdings, in dem die meisten Bürger vermutlich gesagt haben werden: "Ja, danke. So halten wir es privat schon seit Wochen."

Am Mittwoch präsentierte man uns nach rund zehn Stunden Sitzung ein Papier, dessen Komplexität irgendwo zwischen Falk-Plan Jugoslawien 1988 und Da-Vinci-Code liegen dürfte. Niemand weiß mehr irgendwas, und womöglich ist es ja genau das, was man damit erreichen will.

Deutschland macht also ein bisschen auf – und das auf Grundlage von Infektionszahlen, bei denen man im Oktober letzten Jahres noch panisch die Türen und Fenster zugemacht hatte. Markus Söder nennt das die "atmende Öffnungsmatrix", und das verrät mehr über den bayerischen Konjunktiv-Kanzler, der mittlerweile vorrangig damit beschäftigt zu sein scheint, sich zitierfähige Sätze und Neologismen auszudenken, als über das Konzept dahinter.

Mit den bedeutungsschwangeren Sinnsprüchen des Weißwurst-Churchill kann man sich Kissen besticken oder die Wände von Provinz-Cafés bepinseln. "Atmende Öffnungsmatrix" – ich kenne Proktologen, die befassen sich hauptberuflich mit sowas. "Kein Konzept" wird nicht besser dadurch, dass man es cool benennt.

Im........

© stern


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