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Verzeihen Sie Jens Spahn, aber...

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06.06.2021

"Wir werden einander viel verzeihen müssen." Ein Satz, an den ich dieser Tage wieder häufiger gedacht habe. Ausgesprochen hatte ihn Jens Spahn im Frühjahr 2020, und es klang neujahrsansprachlich-weise. Passend zu einem, der sich im Laufe des Vorjahres zu jemandem entwickeln sollte, dessen gesamter Habitus und Wirken gut in den Regierungssessel zu passen schien.

Wir wussten ja nicht, wie viel "viel" sein würde. Und das wir das alles immer wieder nur ein und derselben Person würden verzeihen sollen. "Wir", das Personalpronomen der 1. Person Plural. Es wird immer gerne genommen, um der Verantwortungsdiffusion sprachlich ein Gesicht zu geben. Eine Nebelkerze auf der Torte des Versagens.

"Wir alle haben das Virus unterschätzt."

"Wir waren zu sorglos."

Da, wo ein "Ich" stehen müsste, nehmen Scheiternde gerne ein "wir", als Geiseln für die eigene Therapiegruppe. Spahn ist der Gradmesser, wann unsere Vergebungskompetenz endgültig im Grenzbereich angekommen ist. Wann unsere Nerven reißen wie zu teuer eingekaufte Billigmasken. Dabei hatte doch alles so harmlos angefangen.

Mein Name ist Micky Beisenherz. In Castrop-Rauxel bin ich Weltstar. Woanders muss ich alles selbst bezahlen. Ich bin ein multimedialer

(Ein-)gemischtwarenladen. Autor (Extra3, Dschungelcamp), Moderator (ZDF, NDR, ProSieben, ntv), Podcast-Host ("Apokalypse und Filterkaffee"), Gelegenheitskarikaturist. Es gibt Dinge, die mir auffallen. Mich teilweise sogar aufregen. Und da ständig die Impulskontrolle klemmt, müssen sie wohl raus. Mein religiöses Symbol ist das Fadenkreuz. Die Rasierklinge ist mein Dancefloor. Und soeben juckt es wieder in den Füßen.

Es war das Frühjahr 2018, Jens Spahn war nur ein nerviger Emporkömmling, der sich durch Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik profilierte. Also band die........

© stern


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