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Schuld und Bühne – Deutschland gemeinsam lachen

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19.07.2021

Gut, zugegeben, es war immer klar: In Deutschland würde sich irgendwann jemand öffentlich dafür entschuldigen müssen, zu lachen. Es war allerdings auch ein beispiellos unpassender Moment, den sich Armin Laschet ausgesucht hat, um mal herzlich abzugiggeln.

Vorne der Bundespräsident im "Thoughts and Prayers"-Modus die Toten und Verheerungen der Flut beklagend, hinter ihm der Mann, der gerne Bundeskanzler werden möchte, feixend und juchzend. Das sieht, gelinde gesagt, nicht gut aus. Wie er sich kringelt und dabei dieses seltsame Gesicht macht. Man möchte sagen: Der unter Druck verlässlich pampig antwortende Laschet äußert sich sogar unglücklich, wenn er sich auf die Zunge beißt.

Mein Name ist Micky Beisenherz. In Castrop-Rauxel bin ich Weltstar. Woanders muss ich alles selbst bezahlen. Ich bin ein multimedialer

(Ein-)gemischtwarenladen. Autor (Extra3, Dschungelcamp), Moderator (ZDF, NDR, ProSieben, ntv), Podcast-Host ("Apokalypse und Filterkaffee"), Gelegenheitskarikaturist. Es gibt Dinge, die mir auffallen. Mich teilweise sogar aufregen. Und da ständig die Impulskontrolle klemmt, müssen sie wohl raus. Mein religiöses Symbol ist das Fadenkreuz. Die Rasierklinge ist mein Dancefloor. Und soeben juckt es wieder in den Füßen.

Sogar der britische "Guardian" hat es prominent berichtet: "Frontrunner to succeed Merkel 'sorry' for joking amid fresh German floods". Was für eine irre, irre Zeile. Das möchte man nicht über sich lesen. Es bleibt dabei: Laschet erscheint immer dann am souveränsten, wenn er nicht auftaucht.

Nun ist der Mann ja kein charakterloses Schwein oder eiskalter Ignorant. Viele von uns haben schon an den unpassendsten Stellen gelacht, und Lachen zur falschen Zeit kann durchaus ein Mittel zum Stressabbau sein – es wäre dann halt nur schön, sich dabei nicht filmen zu lassen.

Dass unzählige Menschen dann "nun erzählen Sie uns allen doch mal, was so witzig war, Herr Laschet!" einforderten, zeugt eher davon, dass in sozialen Netzwerken offenbar sehr viele gescheiterte Lehramtsstudenten unterwegs sind, die im digitalen Klassenraum Twitter ihre Allmachtsfantasien ausleben können.

Aber klar, der........

© stern


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