Die Angst vor dem Souverän – oder was den Ossi in mir triggert

Es gibt Bücher, die las ich, als ich noch recht jung war. Sei es, um etwas über diese Welt zu erfahren, sei es, um mitreden zu können, oder sei es, welch spätpubertäre Illusion, um ein Mädchen zu beeindrucken – ob nun mit Zauberberg, Siddharta oder Ulysses. Manches, ach was, sehr vieles verstand ich nicht. Oder ich verstand es falsch.

Das hatte mit meiner Unreife zu tun, aber vielleicht auch mit dem Staat, in dem ich lebte. So war Thomas Mann, auch wenn ich mir das nicht eingestand, für mich ein Bourgeois, der die führende Rolle der Arbeiterklasse leider nicht durchdrungen hatte.

Die DDR bildete meinen Referenzrahmen. Wie wahrscheinlich die meisten Menschen las ich mit einem ideologischen Filter, aber gleichzeitig auch mit einer erhöhten Reizbarkeit, einer größeren Sensibilität. Sowieso besitzt Literatur, besitzen Texte allgemein in einem geschlossenen System eine andere, höhere Bedeutung als in einer offenen Gesellschaft.

Ein Buch geriet für mich, auch wenn das pathetisch klingen mag, zur Offenbarung. Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ wurde im Gegensatz zu George Orwells „1984“ in der DDR verlegt, obwohl es ein totalitäres System schilderte, das an nicht wenigen Stellen an die realsozialistischen Verhältnisse erinnerte. Doch in der Zensurabteilung des Politbüros wurde das Werk erfreulicherweise ausschließlich als Kapitalismus- und Konsumkritik gelesen, die es gewiss ebenso in Teilen war.

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Von Huxley lernte ich den Begriff Konditionierung. In seiner fiktiven Welt wurde den Menschen schon im Kleinkindalter je nach vorgegebener Kaste die Herrschaftslehre antrainiert: mit Knallgeräuschen, Elektroschocks oder anderen Reizen, aber vor allem mit Parolen, die sie während des Schlafs hörten. Die anderen Kasten waren jeweils blöd oder fies, nie sollte man allein sein, jeder gehöre jedem, so etwas.

Martin Debes berichtet als Reporter im Hauptstadtbüro des stern........

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