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Ex-Bundespräsident: Keine Prämie für Demagogen

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24.06.2019

Was hat so ein ehemaliger Bundespräsident noch zu sagen? Hätte er nicht alles, was ihm am Herzen liegt, schon während seiner Amtszeit äußern können, mit der ganzen Autorität der höchstrangigen Staatsperson? Steht nicht alles Nachgeschobene automatisch unter dem Verdacht der Anmaßung, der Einmischung in die Geschäfte der Nachfolger?

Im schlimmsten Fall wirkt es schnell überholt, wenn so ein emeritierter Würdenträger auf Buchwerbetour sich ergeht in der Kritik der "Intoleranz der Guten" und "eine erweiterte Toleranz in Richtung rechts" einfordert - und nur Tage später der Generalbundesanwalt dem Verdacht nachgeht, es habe mitten in Deutschland einen rechtsextrem motivierten Mordanschlag auf einen Politiker gegeben. Wenn der oberste Verfassungsschützer schon vorher vor militanter Gewalt von rechts warnt und der Bundesinnenminister die rechte Bedrohung auf eine Stufe stellt mit der durch den islamistischen Terrorismus. In einer solchen gesellschaftlichen Situation sollen wir eine "erweiterte Toleranz in Richtung rechts" üben? So kurz kann die Haltbarkeit von Forderungen zur politischen Kultur sein.

Aber vielleicht ist das ungerecht. Vielleicht kann man viel lernen von einem, der nicht nur ein einziges politisches System in Deutschland kennengelernt hat, der mitbekommen hat, wie es ist, in einer Diktatur zu leben. Dessen Leben nicht frei war von Brüchen und Fehlern, der daraus gelernt hat und den sie zu........

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