„Pahlavi ist Quell der Spaltung im Iran“ |
Reza Pahlavi in Deutschland: Darum "spaltet der Monarchensohn"
„Pahlavi ist Quell der Spaltung im Iran“
Der Sohn des letzten iranischen Monarchen ist zu Gast in Deutschland. Dabei sollte man Reza Pahlavi hierzulande nicht als integrative Figur verstehen, die die Spaltung im Iran verhindert – im Gegenteil.
Die Entwicklungen in Iran sind auch für uns in Deutschland von Bedeutung: aus Gründen der regionalen Stabilität und des Handels, aber auch aufgrund unserer Überzeugungen.
In Deutschland lebt eine große, lebendige iranische Gemeinschaft; zugleich mussten die Menschen im Iran seit Jahrzehnten Repression erdulden - und fordern dennoch weiterhin Freiheit, Würde und eine demokratische Zukunft ein. Deutsche Entscheidungsträger müssen jetzt mit Klarheit und Verantwortungsbewusstsein agieren.
„Standpunkt“ – der Gastkommentar
Unsere Gesellschaft lebt davon, dass die beste Idee gewinnt. Dafür braucht es Debatten und Argumente – auch wenn sie kontrovers sind. Argumente, die aus praktischen Erfahrungen gespeist sind. Im Gastbeitrag „Standpunkt“ lassen wir deshalb Menschen zu Wort kommen, die wichtige Debatten und Ideen aus ihrer Praxis beurteilen können. Und bieten ihnen einen festen Ort, um zu hinterfragen, ob eine Idee nur groß ist oder wirklich Potenzial hat – und welche Argumente der Realität standhalten.
An diesem Donnerstag besucht Reza Pahlavi, Sohn des letzten iranischen Monarchen, Deutschland und trifft Abgeordnete und Medienvertreter. Das mag gut gemeint sein, birgt aber die Gefahr, ausgerechnet jetzt falsche Signale zu senden.
Reza Pahlavi ist keine integrative Figur – sondern im Gegenteil eine Quelle der Spaltung. Das Erbe des Schah-Regimes, vor allem die Brutalität der Geheimpolizei SAVAK, ist für viele Iraner bis heute tief schmerzhaft. Jede glaubwürdige demokratische Persönlichkeit muss sich dieser Vergangenheit stellen, statt sie herunterzuspielen oder gar, wie jüngst Pahlavi, Stolz darauf zu bekunden.
Auch seine Rufe nach ausländischen Militärschlägen gegen Iran lehnen viele Iraner ab; und seine Äußerungen über die ethnischen Gruppen Irans, insbesondere die Kurden, verschärfen die Sorgen. Hinzu kommen Pahlavis eigene Aussagen über Kontakte zu den Islamischen Revolutionsgarden, die laut EU eine Terrororganisation sind.
Doch die zentrale Frage geht über die einzelne Person hinaus. Denn Pahlavi und seine Unterstützer verbreiten ein binäres Narrativ, das die Rückkehr zur Monarchie als einzige Alternative zur gegenwärtigen Theokratie darstellt. Das ist gefährlich irreführend.
„Dieses klare Nein zu jeder Diktatur sollten deutsche Politiker ernst nehmen.“
„Dieses klare Nein zu jeder Diktatur sollten deutsche Politiker ernst nehmen.“
Schon vor 47 Jahren wurde es dem iranischen Volk als binäre Entscheidung präsentiert, allein zwischen dem Schah und einer unbestimmten religiösen Alternative wählen zu können. Das trug zur Errichtung des Regimes unter Ayatollah Khomeini bei – und daraus hätten wir lernen müssen.
Das iranische Volk selbst hat dies deutlich gemacht. Bei den landesweiten Aufständen, zuletzt im Januar 2026, riefen die Menschen: „Nieder mit dem Unterdrücker, ob Schah oder Oberster Führer (Khamenei).“ Dieses klare Nein zu jeder Diktatur sollten deutsche Politiker ernst nehmen.
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Sie müssen auf die Iraner hören, die sich konsequent für eine demokratische Republik auf Basis von Pluralismus, Verantwortlichkeit und Rechtsstaatlichkeit aussprechen. Das iranische Volk braucht jetzt prinzipienfeste Unterstützung: für sein Recht, die eigene Zukunft selbst zu bestimmen.