Nicht meckern, sondern nutzen

Elektronische Patientenakte - Nicht meckern, sondern nutzen

Nicht meckern, sondern nutzen

Die elektronische Patientenakte ist Realität für 70 Millionen gesetzlich Versicherte. Doch nur wenige nutzen sie aktiv. Dabei bietet das entscheidende Vorteile.

Man stelle sich vor, im Gesundheitswesen gäbe es endlich den Durchbruch bei der Digitalisierung. Eine elektronische Patientenakte, in der alle relevanten Befunde, Arztbriefe oder OP-Berichte abgespeichert sind. Sogar ältere Dokumente können hochgeladen werden, damit sie nie mehr verloren gehen. Und eine Medikationsliste ermöglicht es, gefährliche Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln zu verhindern. Zukunftsmusik? Nein. Diese Digitalakte gibt es doch längst. Rund 70 Millionen gesetzlich Versicherte haben sie. Doch nur ein Bruchteil nutzt sie bisher aktiv. Ausnahmsweise gelingt in Deutschland mal ein Schritt in die Moderne, aber die Menschen ziehen nicht mit.

Das ist nicht die Schuld der Politik, die in diesem Fall ihre Hausaufgaben gemacht hat – auch wenn es mehr als 20 Jahre gedauert hat. Es ist im eigenen Interesse der Versicherten, sich einen Zugang zur Akte anzulegen, um die Daten selbst managen zu können. Was viele vielleicht noch nicht verstanden haben: Die Akte wird fortlaufend befüllt, auch wenn man sie nicht aktiv nutzt.

Dokumente können gesperrt werden

Aber nur durch den eigenen Zugriff kann zum Beispiel eingestellt werden, dass nicht alle Ärzte alle Befunde sehen können. Nur aktive Nutzerinnen und Nutzer können kontrollieren, welche Behandlungen tatsächlich mit der Krankenkasse abgerechnet wurden. Da haben einige Versicherte schon böse Überraschungen erlebt, weil sie kränker gemacht wurden, als sie es tatsächlich waren.

Die elektronische Patientenakte ist da: Was Versicherte nun wissen müssen

Nur wenige Krankenversicherte interessieren sich für die E-Akte

KostenpflichtigErst zur App, dann zum Arzt

Ja, der erstmalige Anmeldeprozess mutet kompliziert an, das ist aber der Datensicherheit geschuldet und am Ende nicht viel komplizierter als die Eröffnung eines Bankkontos. Ja, es fehlen noch wichtige Funktionen, etwa die digitale Variante von Impfausweis oder Mutterpass. Doch der Anfang ist gemacht. Es ist weder sinnvoll noch Erfolg versprechend, die Digitalisierung aussitzen zu wollen. Dafür sind die Vorteile zu groß.


© Solinger Tageblatt