Erste Trainerin in der Bundesliga: Und wenn sie Erfolg hat? |
Union Berlin schreibt Geschichte: Erste Frau als Cheftrainerin in der Bundesliga
Erste Trainerin in der Bundesliga: Und wenn sie Erfolg hat?
Der 1. FC Union Berlin sorgt für ein Novum in den größten Fußballligen Europas: Bis Saisonende fungiert die bisherige U19-Trainerin Marie-Louise Eta als Chefin der Bundesliga-Männer. Diese Entscheidung sorgt auch 2026 noch für Schlagzeilen. Und das ist unverständlich in der brutalen Leistungsgesellschaft Profifußball.
Fußball-Bundesligist 1. FC Union Berlin vertraut auf die sogenannten Mechanismen der Branche. Cheftrainer Steffen Baumgart musste nach zwei Siegen in den 14 Spielen seit der Winterpause gehen. Noch in der Nacht nach der 1:3-Niederlage beim 1. FC Heidenheim wurde der vor 15 Monaten verpflichtete Coach entlassen. Sein Vertrag war erst im Januar, also vor drei Monaten, vorzeitig verlängert worden.
Auch was dann vonseiten des Klubs passierte, ist Bestandteil der Mechanismen des Profifußballs. Angesichts fünf ausstehender Spiele in dieser Saison setzt Unions Geschäftsführer Horst Heldt auf eine Interimslösung für das Saisonfinale, um sich derweil nach einer langfristigen Lösung auf der Trainerbank umzusehen. Die kann dann ohne Altlasten aus der Vorsaison die „Eisernen“ übernehmen.
Alles normal für einen von Ergebnissen lebenden Fußballklub. Und dennoch sorgt Union bei seiner jüngsten Personalentscheidung für viel mehr als die üblichen „Trainer-Beben in XY“-Schlagzeilen.
Denn ganz und gar nicht den Mechanismen der Branche entspricht die von Heldt bis Saisonende eingesetzte Person: Baumgart bekommt eine Nachfolgerin. Die bisherige Trainerin der männlichen U19, Marie-Louise Eta, soll die Köpenicker durch den Rest der Saison anleiten. Eine Frau trägt zumindest befristet die sportliche Verantwortung für kickende Männer: Das ist Mitte April 2026 noch ein Novum in den größten Fußball-Ligen Europas.
Zur neuen Normalität wird das Engagement einer Trainerin auf höchstem Niveau im Männerfußball auf absehbare Zeit dennoch nicht werden. Der Fußball wird ein von Männern dominiertes Business bleiben, in dem es – wie in so gut wie allen anderen Sportarten übrigens auch – als vollkommen normal gilt, wenn Männer Frauen anleiten.
Eingespielte patriarchale Strukturen
Andersherum gibt es somit leider Schlagzeilen und (Hass-)Kommentare, die zumindest im Subtext die Besonderheit herausstreichen, wenn eine Frau die sportliche Verantwortung für Männer übernimmt. Zu eingespielt sind die patriarchalen Strukturen des Leistungssports, als dass eine einzige Frau daran auf die Schnelle etwas ändern könnte.
Dabei sollte das Geschlecht der Übungsleitung in einer brutalen Leistungsgesellschaft wie dem Profifußball kein Thema sein. Aufgestellt wird, wer am besten dafür geeignet ist. Bei Union Berlin ist das an der Seitenlinie nun eben die 34 Jahre alte Eta.
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Wirklich spannend wird es, wenn die Trainerin, die zur neuen Saison die Bundesliga-Frauen von Union als Chefin übernehmen soll, in ihren fünf Spielen mit den Union-Männern positive Ergebnisse einfährt. In solchen Fällen wird die Interimsleitung – noch so ein Automatismus des Profifußballs – gern mit der Beförderung zur Dauerlösung belohnt.
Eine solche Entwicklung und den dazu notwendigen Mut von Union-Seite kann man sich nur wünschen: Damit ein bisschen normaler wird, was noch nicht zu den Automatismen des Profifußballs gehört.