Niedergang der SPD: Gibt’s in Deutschland keine Arbeiterklasse mehr? |
Niedergang der SPD Gibt’s in Deutschland keine Arbeiterklasse mehr?
Analyse | Düsseldorf · Die SPD ist im freien Fall. Was das mit der Fragmentierung der Arbeiterklasse zu tun hat. Und warum die Partei um Grundsatzfragen nicht herumkommt.
Diese Audioversion wurde künstlich generiert. Mehr Infos | Feedback senden
Die beiden SPD-Parteivorsitzenden: Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil beim Pressestatement zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz.
Plötzlich ist wieder von der Arbeiterklasse die Rede. Der Niedergang der SPD hat sich gerade in zwei Landtagswahlen offenbart – und nun lautet eine gängige These dazu, die Kernklientel der Partei existiere gar nicht mehr. Kumpel, Stahlarbeiter, war einmal. Aber natürlich gibt es weiter Arbeiter in Deutschland – auch in der Industrie.
Es gibt ferner Menschen, die in anderen Bereichen arbeiten und die Interessenslage von Arbeitern teilen. Und es gibt Menschen, die keine Chancen mehr sehen, es in den regulären Arbeitsmarkt zu schaffen – und auch politisch vertreten werden sollten. Es gibt also Arbeiterklassen, Plural. Welche Menschen gehören dazu? Was fordern sie? Und kann die SPD sie noch erreichen – oder sind die Arbeiterklassen zu heterogen geworden? Nähren sie keine Volkspartei mehr?
Demoskopen definieren Arbeiter oft nach ihrer beruflichen Stellung in Abgrenzung zu Angestellten. Oder sie gehen nach Berufsgruppe, Tätigkeitsprofil und Qualifikationsniveau vor. Auch Bildung und Haushaltseinkommen können einbezogen werden. Manche verlassen sich auch auf die Selbsteinschätzung von Befragten. In der Soziologie dagegen steckt in der Definition von Klassen auch ein Klassenmodell, also eine Theorie dazu, was die Position in der sozialen Hierarchie bestimmt.
Der Soziologe Klaus Dörre von der Uni Jena beschäftigt sich seit Jahren mit der Fragmentierung der Arbeiterklasse und hat an großen Studien mitgearbeitet, die auch auf Befragungen basieren. Mit Kollegen hat er ein........