Geburtstag von Siegfried Lenz: Warum es sich immer noch lohnt, „Deutschstunde“ zu lesen |
Geburtstag von Siegfried Lenz Warum es sich immer noch lohnt, „Deutschstunde“ zu lesen
Analyse | Düsseldorf · Zum 100. Geburtstag von Siegfried Lenz lohnt sich die Rückkehr zu seinem berühmtesten Roman. Er erzählt von Pflicht und Widerstand, von Landschaften, Wind und Schuld. Und er tut das mit einer Gelassenheit, die noch heute anziehend wirkt.
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Der Schriftsteller Siegfried Lenz (1926 bis 2014).
Von diesem Text geht eine enorme Ruhe aus, das fällt gleich auf. Es ist, als bereite Siegfried Lenz sein Publikum vor, als nehme er es an die Hand und führe es allmählich zurück durch die Zeit. Er tritt wie ein Vertrauter auf, ein unsichtbarer Freund. „Sie haben mir eine Strafarbeit gegeben“, lautet der legendäre erste Satz des Romans „Deutschstunde“. Er ist so gut, dass man sofort weiterliest. Lenz möchte die Vergangenheit aus dem Schlaf wecken, sagt er zu Beginn. Und als er merkt, dass man nun bereit ist, registriert er auch das: „Ich muss anfangen. Also.“
Siegfried Lenz wurde am 17. März 1926 geboren. Er gehört zu den bestverkauften und — das ist ein Unterschied — meistgelesenen Schriftstellern der deutschsprachigen Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Gegensatz zur polemischen Kratzbürstigkeit von Grass und zur ethischen Strenge Bölls hatten vielen seiner Sätze etwas Lyrisches. Man kann ihm gelegentlich dabei zusehen, wie er stilistisch Anlauf nimmt, über die Begrenzung von Lakonie und Nüchternheit hinwegschlittert und sich zu phonetisch funkelnden Sätzen wie diesen aufschwingt: „Draußen, wo die Halbinsel flach in die Nordsee stach, waren die........