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Wie weiter im Iran-Krieg?: Wegducken ist keine Strategie

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22.03.2026

Wie weiter im Iran-Krieg? Wegducken ist keine Strategie

Meinung | Berlin · Die Bundesregierung tut gut daran, sich nicht in die Kampfhandlungen im Iran ziehen zu lassen. Auch angesichts der möglicherweise höheren Raketenreichweiten Teherans. Dass dieses Mal Trump auf Deals angewiesen zu sein scheint, sollte Deutschland nutzen.

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US-Präsident Donald Trump und Kanzler Friedrich Merz bei einem Treffen im Weißen Haus Anfang März.

Die beiden Angreifer machen Druck auf ihre bisherigen Verbündeten: US-Präsident Donald Trump und nun auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drängen andere Länder dazu, sich dem Kampf gegen Iran anzuschließen. Nachdem Trump die Nato-Staaten nach mehreren Absagen als „Feiglinge“ beschimpft hatte, versucht es Netanjahu zwar etwas diplomatischer, aber auch nicht weniger deutlich. Das ist aus Israels Perspektive verständlich angesichts der enormen Bedrohung durch Iran. Erst recht, weil Teheran eine interkontinentale ballistische Rakete auf den von Großbritannien und den USA genutzten Militärstützpunkt Diego Garcia abgefeuert hatte – 4000 Kilometer entfernt im Indischen Ozean. Damit wird auf einmal deutlich, dass Iran theoretisch in der Lage sein könnte, auch europäische Hauptstädte wie Paris und Berlin anzugreifen. „Welchen weiteren Beweis brauchen Sie noch, dass dieses Regime, das die ganze Welt bedroht, gestoppt werden muss?“, fragte Netanjahu an andere Staaten gerichtet, ohne Namen zu nennen.

Dass er damit aber durchaus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan und andere verbündete Industrienationen meinen dürfte, die sich zuletzt gegen eine Kriegsbeteiligung ausgesprochen hatten, ist klar. Doch gerade wegen der unmissverständlichen Warnung des Iran durch die Zündung der Interkontinentalraketen sollten sich Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die anderen skeptischen Staats- und Regierungschefs bestätigt fühlen in ihrem Kurs. Es ist richtig, in dieser Phase nicht in die Kampfhandlungen einzugreifen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Iran nach einem Ablaufen des jüngsten Trump-Ultimatums zur Öffnung der Straße von Hormus noch aggressiver um sich schlagen dürfte. Zugleich kann Wegducken keine Strategie für Deutschland sein. Ihr Nein muss weiterhin gut und vor allem differenziert begründet sein. Schließlich teilt man eigentlich mehrere Ziele, die die USA und Israel dem Vernehmen nach erreichen wollen: ein Ende des iranischen Atom- und Raketenprogramms, ein Ende iranischer Unterstützung für diverse Terrormilizen und wieder Sicherheit für den Welthandel, insbesondere in der Straße von Hormus. Doch wie kann dieser Balanceakt aussehen, den Merz mal wieder im Umgang mit Trump vollführen muss? Der Schlüssel könnte in einer für Trump attraktiven Lastenteilung an anderen Stellen liegen: weiterhin hohe europäische Verantwortung in der Ukraine, noch mehr Engagement an der Nato-Ostflanke, etwa in Litauen. Und dann auch eine Beteiligung für Stabilität am Persischen Golf – nach einem Waffenstillstand. Dieses Mal ist wohl Trump auf Deals angewiesen, das sollten die Europäer nutzen.


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