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Waffenruhe im Iran-Krieg: Eskalation vorerst abgewendet – doch die Diplomatie ist noch nicht am Ende

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08.04.2026

Waffenruhe im Iran-Krieg Eskalation vorerst abgewendet – doch die Entspannung trügt

Meinung | Berlin · Endlich eine Waffenruhe im Iran-Krieg. Auch wenn die Eskalation vorerst abgewendet ist, mit Drohungen einer Apokalypse hat Donald Trump die Welt erschreck. Ein Zündfunke könnte alles wieder ändern.

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US-Präsident Donald Trump (l) bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus in Washington.

Es sind zunächst gute Nachrichten. Die Eskalation des Iran­-Krieges ist vorerst abgewendet. Die Kriegsparteien haben eine Waffenruhe vereinbart. Inwieweit sie hält, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Eine solche Waffenruhe ist ja oft kein Endpunkt, sondern lediglich eine Atempause. Doch Diplomatie funktioniert noch selbst in unsicheren Zeiten – und das in letzter Sekunde. Auch das ist eine gute Nachricht.

Ob dafür die martialische Sprache des US‑Präsidenten nötig war, darf man bezweifeln. Donald Trump hat mit seinen Drohungen einer Apokalypse die Welt erschreckt; er wirkte wie ein Politiker, der mit dem Rücken zur Wand steht. Dass er unberechenbar ist, weiß man. Trump erscheint aber als angeschlagener Feldherr, der Lösungen des Konflikts nicht mitgedacht hat. Ob sein Sinneswandel hält? Das darf bezweifelt werden.

Denn nach fünf Wochen Krieg ist der Mann im Weißen Haus kein strahlender Sieger. Kein Kriegsziel der USA und Israels wurde tatsächlich erreicht. Experten gehen davon aus, dass das iranische Nuklearprogramm weiter existiert, an Raketen- und Drohnen mangelt es Teheran auch nicht. Von einem Regimewechsel kann überhaupt keine Rede sein. Die von Trump geweckten Hoffnungen vieler Menschen im Iran sind somit zum jetzigen Zeitpunkt bitter enttäuscht worden.

Zugleich tritt der Iran weiter selbstbewusst auf, doch das Regime ist offenkundig angeschlagener als gedacht. Weil beide Seiten die Waffenruhe innenpolitisch nun als Sieg verkaufen wollen, wächst das Risiko neuer Rückschläge bei den weiteren Verhandlungen. Das könnte ein Zündfunke sein. Dennoch bleibt nun mehr Zeit für Diplomatie. Das verlangt Kompromisse. Nach denen sieht es noch nicht aus, zumal vieles in der Vereinbarung weiterhin unklar geblieben ist. Deshalb herrscht jetzt lediglich eine Entspannung unter Vorbehalt rund um den Iran. Die Unsicherheiten bleiben groß.

Dass die Straße von Hormus wieder geöffnet werden soll, ist ein deutliches Zeichen der Vernunft. Die Frage, wer sie am Ende kontrolliert, dürfte aber auch mit darüber entscheiden, wer den Krieg gewinnen wird – und hier hält Teheran nach wie vor die Trümpfe in der Hand. Aber: Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges werden sich für Verbraucher und Unternehmen entspannen. Die internationalen Lieferketten kommen wieder in Gang, auch wenn das einige Wochen braucht. Die Menschen werden das also nicht sofort spüren. Zugleich bleiben andere Verwerfungen des Krieges groß – besonders in der Nato. Die klare Haltung der Verbündeten gegenüber den USA war zwar richtig. Nun müssen die Partner jedoch die Scherben mit aufkehren und den Schaden so gut es geht beheben. Auch der Bundeskanzler. Auch mit Blick auf Donald Trump.


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