Krieg gegen die Ukraine: Der doppelte Papst und sein Dilemma |
An Mitgefühl mangelt es nicht. Wenn Papst Leo XIV. von der Ukraine spricht, benutzt er Formulierungen wie „Schreie aus den Kriegsgebieten“, „leidendes Volk“, „gepeinigt“, „blutgetränkt“. Russland dagegen hat der Papst in seiner Amtszeit seit Mai überhaupt nur zweimal offiziell erwähnt: auf den Pressekonferenzen seiner Nahostreise im Herbst, und nur allgemein als Akteur der Diplomatie, ohne emotionale Vokabeln.
Klar ist also: Die Ukraine ist das Opfer. Aber Russland ist, zumindest in der Sprache des Kirchenoberhaupts, nicht der Täter. Die Stelle des Täters bleibt leer – der Krieg erscheint eher als Verhängnis. Um dessen Ende betet Leo, zuletzt an Weihnachten, als er das „Dröhnen der Waffen“ beklagte, das aufhören müsse. Als er im Juni von den „Gefangenen und Opfern dieses absurden Krieges“ sprach, war das schon fast ein Gefühlsausbruch. In seiner langen Botschaft zum Weltfriedenstag, den die katholische Kirche seit 1968 an Neujahr begeht, kommt die Ukraine namentlich überhaupt nicht vor.
Diese Zurückhaltung, was die Verantwortlichkeit angeht, ist auffällig – es ist doch sonnenklar, wer der Aggressor ist –, aber kein Bruch mit seinem Vorgänger Franziskus. Der formulierte in Sachen Ukraine („gemartert“, „gepeinigt“, „gequält“) eine fast wortgleiche, ähnlich eindeutige Opferrhetorik (viel eindeutiger als bei Israel und Gaza). Zumindest zu den offiziellen Anlässen, die der Vatikan in seiner Datenbank aufführt.
Irritationen verursachte Franziskus regelmäßig mit seinen Interviews, etwa als er........