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Luxus-Urlaub: Warum begegnet deutschen Dubai-Touristen so viel Häme?

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03.03.2026

Luxus-Urlaub Warum begegnet deutschen Dubai-Touristen so viel Häme?

Kolumne | Dubai · Unter den 30.000 Deutschen, die wegen des Kriegs in der Golfregion festsaßen, sind auch viele Touristen, die etwa in Dubai Urlaub machten. Ihnen begegnet viel Häme. Woran das liegt.

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Gestrandet am Flughafen – Reisende sitzen in Nahost fest

Sonne, Luxus, Märchenleben – diesen Eindruck haben Menschen vermittelt, die bisher ihren Urlaub in Städten wie Dubai oder auf Kreuzschiffen in Nahost verbrachten. Auch bei Influencern ist die Golfregion beliebt, um zu demonstrieren, dass man zu den Reichen und Schönen gehört und sich Aufenthalte in Ländern leisten kann, die wie ein großes Luxus-Ferienresort wirken.

Nun sind auch diese Orte vom Krieg im Iran betroffen, Raketen und Drohnen schlagen ein, Trümmerteile gehen nieder, Luxushotels müssen Brände löschen, Urlauber die Drinks und Shisha-Pfeife stehen lassen, um in Tiefgaragen notdürftig Schutz zu suchen. Doch auf viel Mitgefühl aus Deutschland dürfen sie nicht hoffen. Stattdessen ergießt sich Häme über die Gestrandeten. Im Internet gibt es Geschieht-ihnen-recht-Kommentare und zynische Sprüche. Nun bekämen diese Luxus-Touris eben auch mal zu spüren, welches Leid andere Menschen in der Region seit Jahren ertragen.

Es hat mit dem Kontrast zwischen Glitzerwelt und Krieg zu tun, dass diese Häme nun losbricht. Die Fallhöhe ist groß. Eben lagen die Touristen noch am makellosen Pool oder blickten von der Dachterrasse auf die nächtliche Skyline der Großstädte, nun melden sich dieselben Menschen verängstigt in Videonachrichten und berichten von Schlachten um Leihautos und Chaos am Flughafen.

Dass das kein Mitleid auslöst, gründet zum Teil wohl in Neid. Mancher, der den Touristen jetzt alles Unglück wünscht, hätte selbst gern mal am Golf geurlaubt. Es hat wohl auch mit Besserwisserei zu tun, schließlich gab es Reisewarnungen. Und mit moralischer Empörung über Leute, die in Krisenregionen Urlaub machen.

Tatsächlich hat der Luxus, den manche Touristen und Influencer bisher aus der Golfregion zur Schau stellten, etwas Obszönes. Darum ging es ja auch: selbstbewusst die eigene Ignoranz zu feiern, den Bedenkenträgern zuzuprosten: Ich kann’s mir leisten, was gehen mich Menschenrechte an! Häme jedoch ist unangemessen. Sie ist pauschal; warum wer in der Golfregion gestrandet ist, weiß man nicht. Und Tourismus steckt generell in dem Dilemma, dass manche Menschen sich mehr oder weniger luxuriöse Erholung gönnen können, während andere hungern und vor Bomben fliehen.

Allerdings tritt gerade in der Krise die Macht des Geldes in den Touristenzentren am Golf nackt zutage. Die Reichen lassen sich im SUV durch die Wüste kutschieren, um in Nachbarländern in ihre Privatjets zu steigen. Der Rest wartet auf Evakuierung. Aus der Tourismusforschung aber weiß man: Das Krisengedächtnis von Urlaubern ist kurz.


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