Bildung: Schulstoff Goethe: nur noch in einfacher Sprache?
„Habe nun, ach! Philosophie,/ Juristerei und Medizin/ und leider auch Theologie/ durchaus studiert, mit heißem Bemühn./ Da steh ich nun, ich armer Tor,/ und bin so klug als wie zuvor!“ Ist es eine Zumutung, Worte wie diese aus Goethes „Faust I“ im Original zu lesen? Ist zu viel „heißes Bemühn“ verlangt von Schülerinnen und Schülern, die nicht mehr wissen, was ein „Tor“ ist? Und die in einer digitalisierten Welt großwerden, in der Inhalte im Alltag weitgehend in Häppchen konsumiert werden. In der ihre Wahrnehmung durch schnelle Reize geflutet wird, aber die Konzentration für lange Texte kaum noch reicht?
In Berlin sind inzwischen selbst einzelne Gymnasien dazu übergegangen, Klassiker wie Goethes „Faust I“ in einfacher Sprache zu lesen. Die Empörung darüber ist groß. Lehrkräfte begründen den Einsatz vereinfachter Ausgaben mit Zeitmangel und unterschiedlichen Zugängen zum Text. Für die Analyse etwa von Handlungsverlauf und Figurenkonstellation greife man auf die vereinfachte Variante zurück, für die sprachliche Analyse auf den Originaltext. Also, halb so wild?
Der Cornelsen-Verlag, in dem viele Schulbücher erscheinen, gibt eine eigene Reihe heraus: „Einfach klassisch“. Darin ist Weltliteratur wie Schillers „Wilhelm Tell“, Lessings „Nathan der Weise“, Gottfried Kellers „Kleider machen Leute“ oder auch Shakespeares „Romeo und Julia“ auf unterschiedliche Art bearbeitet. Beim „Faust“ etwa wurde der Text gekürzt, aber die Sprache nicht verändert. Es gibt jede Menge didaktischer Hilfen. In der zitierten Einstiegspassage etwa wird erklärt, was Philosophie, Juristerei und Theologie sind und dass........
