Zahl der Fertigstellungen im Keller: Die Krise im Wohnungsbau ist längst nicht vorbei

Zahl der Fertigstellungen im Keller Die Krise im Wohnungsbau ist längst nicht vorbei

Meinung | Berlin · Der Wohnungsbau rutscht dieses Jahr auf ein Tief. Maßnahmen, die die Politik beschlossen hat, sind sinnvoll, werden aber erst spät wirken. Umso wichtiger ist es, Sorgen von Mietern schon jetzt ernst zu nehmen. Vorschläge liegen auf dem Tisch.

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Ökonomen warnen vor negativen Effekten auf das Wirtschaftswachstum in Metropolen – weil sich Arbeitskräfte dort keine Wohnungen mehr leisten können.

Der Wohnungsbau in Deutschland kommt nicht vom Fleck. Branchenvertreter erwarten, dass die Zahl der fertiggestellten Wohnungen 2026 bei unter 200.000 verharren wird. Das sind nicht einmal halb so viele, wie eigentlich nötig wären. Der viel beschworene Bau-Turbo hat noch nicht gezündet – und die Not vieler Mieter wird immer drängender.

Dabei hat die Politik durchaus einiges richtig gemacht. Dass der Bund die Mittel für den sozialen Wohnungsbau trotz klammer Kassen erhöht hat, ist begrüßenswert. Auch der Bau-Turbo, der für Kommunen bürokratische Entlastungen enthält, war eine gute Entscheidung. Das Problem an diesen Maßnahmen: Bis sie spürbar wirken, vergehen Jahre.

Ökonomen warnen bereits vor negativen Effekten auf das Wirtschaftswachstum in Metropolen – weil sich Arbeitskräfte dort schlicht keine Wohnungen mehr leisten können. Hinzu kommt ein steigendes Gefühl von Unzufriedenheit bei vielen Menschen wegen der explodierenden Mieten.

Wichtig ist daher, dass die Politik jetzt hilft. Dafür könnte sie etwa die Rechte von Mietern bei Mietwucher stärken. Mietwucher – schon heute eine Straftat – liegt vor, wenn die Miete die ortsübliche Vergleichsmiete deutlich übertrifft. Doch die Voraussetzungen für entsprechende Nachweise sind hoch. Schon die CSU setzte sich vor einigen Jahren im Bundesrat für eine Verschärfung ein – ohne Erfolg. Dabei wäre das eine vergleichsweise unkomplizierte Maßnahme, die Mietern unmittelbar den Rücken stärken würde.

Klar ist aber auch: Mittel- und langfristig führt kein Weg an mehr bezahlbarem Wohnraum vorbei. Dafür muss die Politik nicht zuletzt den sogenannten Gebäudetyp E – also das vereinfachte Bauen – endlich rechtssicher machen und zum Standard erklären. Anders wird die Zahl der neugebauten Wohnungen nicht die nötige Zielmarke erreichen.


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