Der ORF ist keine politische Bedürfnisanstalt
Es handelt sich um zwei Drittel der Bevölkerung Österreichs. 6,1 Millionen Menschen nutzen täglich den ORF, er ist die wichtigste Informationsquelle für die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes.
Und gerade deshalb bietet die Bestellung des Direktoriums alle paar Jahre eine willkommene Gelegenheit für parteipolitische Übergriffigkeit. Die Versuchung ist größer als die Einsicht, dass bereits der Anschein politischer Abhängigkeit Vertrauen beschädigt. Ausgerechnet jenes Vertrauen, auf das ein öffentlich-rechtlicher Sender in Krisenzeiten angewiesen ist: wenn Ängste wachsen, die Polarisierung zunimmt und komplexe Zusammenhänge erklärt und eingeordnet werden müssen. Zu viele wollen etwas vom ORF, zu wenige etwas für ihn.
Reichweite weckt Begehrlichkeiten, erst recht bei schrumpfenden Parteien. Doch das Klammern an das letzte große Megafon des Landes kann schnell zum Würgegriff werden. Nötig wären Freiheit und finanzielle Sicherheit. Stattdessen werden die Sparvorgaben ausgeweitet – und dürften sich mangels eigener Kanäle bald als Schuss ins eigene Knie erweisen. Denn was machen Landeshauptleute eigentlich ohne Bundesland heute? Ohne die vielen ORF-Formate wäre nicht nur für sie ziemlich rasch Sendepause.
Nur die FPÖ verfügt über ein hochprofessionelles digitales Medienökosystem. Sie ist eher ein Medienhaus, das........
