Wehr-Haft |
Meinl-Reisinger: Also guat, Burschen! Wie kommen wir aus der Nummer wieder raus?
Babler: Wir? Wieso wir? Des soll sich gfälligst unser Herr Volksbefragungskanzler allein überlegen. Der hat ja unbedingt des Fassl aufmachen müssen. Ohne uns vorher was zu sagen.
Stocker: Des … war net so geplant. Ich hab mich bei der Rede mitreißen lassen. Von meinem eigenen Strom quasi!
Meinl-Reisinger: Ich hab deine Rede gehört. A Strömung wie des Tote Meer.
Babler: Ja. Des kann’s eher net gwesen sein.
Stocker: Schaut’s: Wegen mir warat’s ja net. Aber was soll ich denn machen? Unsere Parteistrategen ham halt glaubt, dass des a gute Idee is.
Meinl-Reisinger: Ich hab dazu nur eine Frage.
Meinl-Reisinger: Ihr habt’s Parteistrategen?
Babler: Ich glaub, er meint die Tanner für die taktische Kriegsführung und die Mikl-Leitner für den Nahkampf.
Meinl-Reisinger: Und jetzt hast a no die Chance ungenützt verstreichen lassen, dass du den Bledsinn am Aschermittwoch noch schnell zum Witz erklärst. Zu einem schlechten halt. Dann hättst du Selbstironie auch gleich bewiesen und wärst jetzt schon wieder der Bussibär, der gemütliche. Und wir hätten endlich wieder unser heilige Ruh.
Babler: Stattdessen lasst du uns jetzt praktisch keine andere Wahl, als auch irgendan Bledsinn zu fordern – und auch durchzusetzen …
Meinl-Reisinger: … oder dir deinen Bledsinn durch unser Veto abzudrehen. Worauf sich der Kickl einen Ast lacht. Also: Wie hätt ma’s denn gern?
Stocker: Also, ich weiß ja bitte schön nicht, was an einer Volksbefragung auf einmal so schlecht is. Immer heißt’s „direkte Demokratie, direkte Demokratie“. Aber kaum is ma einmal direkt, erntet man erst recht wieder eine kalte Schulter.
Meinl-Reisinger: Das klingt wie ein tief sitzendes Trauma aus Teenager-Dating-Zeiten.
Babler: Bei der ÖVP ist es halt nie zu spät für eine unglückliche Jugend.
Meinl-Reisinger: Guter Mann: Eine sperrig formulierte Detailfrage darüber, wie die zukünftige Wehrdienstverlängerung genau ausschauen soll, ist als Role Model für direkte Demokratie leider eine ziemliche Fehlbesetzung, findest du net?
Babler: Woll ma dann wirklich nach monatelanger künstlicher Debatte schlussendlich des Kaisers Bart zur Abstimmung stellen?
Stocker: Seit wann diskutierst du net gern über des Kaisers Bart?
Babler: Seit ich in erster Linie damit beschäftigt bin, innerparteilich des Kaisers Kopf zu retten.
Meinl-Reisinger: Ha! Der hätt vom Aschermittwoch-Gschnas vom Lercher sein können!
Babler: So lustig wie der bin i no lang.
Meinl-Reisinger: So lustig wie der is mei Drahtkleiderbügelsammlung. Aber wir schweifen ab. Ich wiederhole meine Einstiegsfrage: Wie kommen wir aus der Nummer wieder raus?
Stocker: Wir machen einfach die Befragung, und passt schon. Was soll denn groß passieren? Ob die jetzt A oder B sagen, is doch eh blunzn.
Babler: Derf i di bei Gelegenheit zitieren?
Meinl-Reisinger: Bei nächster!
Stocker: Ich muss das jetzt durchziehen. Ich hab ein Gesicht zu wahren.
Meinl-Reisinger: Völlig richtig. Darum solltest ja auch die Hände davor zusammenschlagen! Wie kann ma so stur sein?
Babler: Jetzt auf einmal nämlich. Plötzlich hat er die Krafthosen an. Vorher war Buddha – jetzt ist er Popeye. Den Spinat will ich bitte auch!
Stocker: Macht’s euch nur lustig über mich. Des wird der Koalitionsharmonie nicht gerade zuträglich sein.
Meinl-Reisinger: Derf des wahr sein? Jetzt is er auch noch der Arme!
Stocker: Ist ja wahr. Sei du amoi ÖVP-Chef!
Babler: Glaub mir: Es gibt immer noch Schlimmeres.
Meinl-Reisinger: Ihr dauert’s mich! Soll ich den Gruppentherapeuten hereinbitten?
Stocker: Vielleicht … kann ich die ganze Geschichte ja irgendwie, ich weiß auch nicht …, irgendwie einschlafen lassen. Wegadministrieren. Mit einer Kommission oder so.
Meinl-Reisinger: Wir haben ja eine Kommission gehabt.
Stocker: Aber net zu der Frage, ob man über das Ergebnis der Kommission eine Volksbefragung machen soll.
Babler: Wenn bei der Art der Problemlösung schon sonst nix einschlaft, dann zumindest mir des Gsicht.
Meinl-Reisinger: Der Zirkus kann jedenfalls net stattfinden, so viel is klar. Ich denke, es gibt nur mehr eine Möglichkeit. Wenn schon net der Aschermittwoch – dann der 1. April. Dann sagst, es war ein Witz.
Stocker: Geh bitte. So spät? Der wär so was von unlustig.
Babler: Eh. Aber kommt ja von an Schwarzen.