Es war schon immer so, dass TV-Serien Trends setzten. Auch in Sachen Fashion. Jetzt sorgt «Succsession» aber für einen Hype, denn sich längst nicht jeder leisten kann. Und wer das Geld dazu hat, beweist, das man Stil trotzdem nicht immer kaufen kann.

Das teuerste Fashion-Item, das ich besitze, ist eine Tasche für rund 600 Franken. Sie ist schlicht, schwarz und so geräumig, dass ich sie auch mal als Einkaufs- oder Windeltasche missbrauche, obwohl sie sauteuer war. Damit bin ich quasi aus Versehen grad voll im Trend. Dank einer TV-Serie.

In «Succsession» tragen die Mitglieder der ebenso toxischen, wie stinkreichen Roy-Familie durchs Band «quiet luxury»: Schlichte, aber qualitativ hochwertige Kleider, deren Preise alles andere als «leise» sind. Ein 800-Dollar-Hoodie, ein Hut, der über 1000 Dollar kostet, ein Blazer für fast 4000 Dollar oder ein Mantel, für den man sage und schreibe 8000 Dollar hinblättern muss! Keine fetten Logos, kein Bling Bling, fast schon spiessig.

Früher nannte man es «Klassiker», «Understatement» oder auch «Stealth Wealth» (Heimlicher Reichtum). Es ist also an sich nicht neu. Und das TV-Serien unsere modischen Entscheidungen beeinflussen, auch nicht.

Mitte der 90er-Jahre tauchte Jennifer Aniston mit neuer Frisur in «Friends» auf. Ein auftoupiertes Strähnchen-Monster, das sie hasste, weil sie ihre Haare so selbst nie in den Griff bekam. Trotzdem stürmten Frauen in Schaaren zum Coiffeur, weil sie den «Rachel» haben wollten.

Anfang 2000 wurde alles zu Kult erklärt, was Sarah Jessica Parker in «Sex and the City» trug, auch wenn es noch so bescheuert aussah.

Ein paar Jahre später verursachte «Gossip Girl» den Boho-Hype, weil alle rumrennen wollten wie Blake Lively.

Und als die zweite Staffel von «Emily in Paris» erschien, verzeichnete Google sogar einen sprunghaften Anstieg, weil tonnenweise Menschen nach roten Berets suchten.

Allerdings ist Emilys Hut um einiges günstiger als jetzt eben «quiet luxury». Das ist eher was für die Schönen und Reichen. Oder nur für die Reichen. Facebook-Mogul Mark Zuckerberg trägt das seit Jahren, genau wie Apple-Guru Steve Jobs es tat. Und Gwyneth Paltrow nutzte ihre Gerichtsverhandlung kürzlich als «quiet luxury»-Modenschau.

Aber nur weil man sich den Luxus leisten kann, heisst es nicht, dass man den Trend versteht. Ausgerechnet Fashion-Ikone Rihanna ist gerade gewaltig ins Fashion-Fettnäpfchen getrampelt, als sie auf TikTok ihre Version des Trends zeigte: Einen Diamanten Fussring, der – Achtung – eine Million Dollar wert ist! Noch mal: Ein Diamant Fussring…

Dafür hagelte es einen kleinen Shitstorm, denn ein fetter Diamant, den man auch noch explizit präsentiert, ist nicht «quiet luxury», sondern eher so laut wie ein hupender LKW.

Da bin ich um so stolzer auf meinen kleinen, leisen Luxus. Auf Qualität zu setzen, ist ja nicht schlecht - wenn man das nötige Kleingeld dafür hat. Und wenn ich auf meinen Kontostand schiele, hoffe ich, dass die nächste TV-Serie einen Stil hypt, der mich nicht ganz bankrott machen würde.

QOSHE - Ein Hut für 1000 Dollar: Die TV-Serie «Succsession» macht «quiet luxury» zum sauteuren Fashiontrend - Nadja Zeindler
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Ein Hut für 1000 Dollar: Die TV-Serie «Succsession» macht «quiet luxury» zum sauteuren Fashiontrend

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28.05.2023

Es war schon immer so, dass TV-Serien Trends setzten. Auch in Sachen Fashion. Jetzt sorgt «Succsession» aber für einen Hype, denn sich längst nicht jeder leisten kann. Und wer das Geld dazu hat, beweist, das man Stil trotzdem nicht immer kaufen kann.

Das teuerste Fashion-Item, das ich besitze, ist eine Tasche für rund 600 Franken. Sie ist schlicht, schwarz und so geräumig, dass ich sie auch mal als Einkaufs- oder Windeltasche missbrauche, obwohl sie sauteuer war. Damit bin ich quasi aus Versehen grad voll im Trend. Dank einer TV-Serie.

In «Succsession» tragen die Mitglieder der ebenso toxischen, wie stinkreichen Roy-Familie durchs Band «quiet luxury»: Schlichte, aber qualitativ hochwertige Kleider, deren Preise alles andere als «leise» sind. Ein........

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