Schmerzhafte, kleine Einschnitte statt großer Operation – das soll helfen?
Anlagetipp für alle, die knapp 6000 Euro im Monat verdienen: Jetzt in Aktien von Pharmaunternehmen investieren. Damit könnten Sie einen Teil der Kosten decken, die Ihnen künftig durch Anheben der Beitragsbemessungsgrenze entstehen.
Sie merken es: Wir schauen in das einzige Überraschungsei der diesjährigen Gesundheitsreform, die so kompromissfaul ausfällt, dass klar ist: Eigentlich lohnt die Debatte kaum, in ein paar Jahren geht es von vorne los. Leidtragende dieser Mut- und Ideenlosigkeit: alle, die Medikamente brauchen und mehr zuzahlen. Und Eheleute, die nicht mehr unter allen Umständen beitragsfrei mitversichert werden.
Die Überraschung, vor allem für den CDU-Wirtschaftsflügel: Ihre Gesundheitsministerin schröpft die obere Mittelklasse und deren Arbeitgeber durch Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze, jenseits der die Beiträge nicht mehr steigen. Die private Versicherung wird es freuen: Der Umstieg wird attraktiver.
Erfolgreich in den Ohren gelegen haben der Ministerin offenbar die Vertreter der Pharmalobby. Der größte Kostentreiber des Gesundheitswesens kommt offenbar ungeschoren davon.
Reformstau im Gesundheitssystem bleibt, echte Innovationen fehlen
Was fehlt sonst noch? Die Digitalisierung forcieren, Qualität, Effizienz und Evidenz belohnen, Scheininnovationen verhindern, Fehlanreize streichen, die Trennung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung schleifen oder gar zwischen gesetzlicher und privater Versicherung, sowie Kostenehrlichkeit bei Bürgergeldbeziehern. Jede Menge also. Stattdessen: Pflästerchen, wo Operationen nötig wären.
Zu Risiken und Nebenwirkungen, unter anderem die zunehmende Allergie gegen die tiefgreifende Reformunfähigkeit unseres sozialen und demokratischen Rechtsstaates, fragen Sie Ihre Abgeordneten. Oder die Lobbyisten.
