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Post-Beschwerden auf Höchststand: Wenn der Postmann keinmal klingelt

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thursday

Wer kennt es nicht: Man wartet den ganzen Tag daheim auf ein wichtiges Päckchen und arbeitet womöglich extra deswegen im Homeoffice. Nur um am Abend dann eine labbrige Karte im Briefkasten zu finden mit dem Hinweis, dass der Empfänger nicht zu Hause gewesen sei und das Päckchen ab dem nächsten Tag in einem Paketshop irgendwo in der Stadt abgeholt werden kann. Sauärgerlich! Und kein Einzelfall.

Noch nie haben sich so viele Menschen über die Deutsche Post und ihre Konkurrenten beschwert wie im vergangenen Jahr. Die verärgerten Empfänger regen sich über kaputte Pakete, unzustellbare Briefe oder den Postmann auf, der gar nicht mehr klingelt. Insgesamt mehr als 55.000 Beschwerden wurden 2025 offiziell registriert. Und die Post erklärt wie jedes Jahr gebetsmühlenartig, dass es kein strukturelles Problem gebe. Immerhin wurden im vergangenen Jahr 9,4 Milliarden Briefe und 4,5 Milliarden Pakete verschickt. Der Anteil der Beschwerden ist gemessen an dieser Gesamtmenge klein. Das mag zwar stimmen. Aber 55.000 Beschwerden sind eben auch nicht gerade nichts.

Die Post sollte die Beschwerdeflut nicht als Einzelfälle abtun, sondern die Kritik ernst nehmen. Denn wenn die Rechnung gleichzeitig mit der Mahnung eintrifft, dann ist das für die Empfänger mehr als nur sauärgerlich. Statt Stellen abzubauen und mehr Arbeit auf weniger Postboten-Schultern zu verteilen, sollte die Post sich bemühen, gutes Personal zu halten und zu gewinnen. Das mag Geld kosten und die Rendite schmälern. Aber dem Bund als größtem Aktionär sollte eine funktionierende Post wichtiger sein als hohe Dividenden.


© NRZ