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Waffenruhe im Iran-Krieg: Eine Chance, die genutzt werden muss

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08.04.2026

Selten war die Welt so erleichtert wie am Mittwochmorgen. Nach Donald Trumps monumentaler Drohung vom „Untergang der iranischen Zivilisation“ wurde unter maßgeblicher Beteiligung Pakistans eine 14-tägige Waffenruhe zwischen den USA und Iran vereinbart. Die befreiende Nachricht von der befristeten Öffnung der Straße von Hormus setzte die Ölpreise auf Talfahrt und jagte die Börsen nach oben. Ein Hauch von Normalität wehte durch die kriegs- und krisengeplagte Geopolitik.

Doch darf das momentane Gefühl, einer ganz großen Katastrophe in letzter Minute entronnen zu sein, nicht darüber hinwegtäuschen: Die Waffenpause ist ein Kredit auf Zeit. Die Vereinigten Staaten und Iran haben nun zwei Wochen, um eine definitive Lösung zur Beendigung des Krieges auszuhandeln. Es ist eine Chance, die genutzt werden muss. Doch die Hürden sind hoch. Um sie zu überwinden, müssten beide Seiten ihre Maximalpositionen räumen.

USA und Iran müssen von Maximalforderungen abweichen

Ein zentraler Punkt dabei: Die Amerikaner haben bislang darauf bestanden, dass die Islamische Republik ihr Nuklearprogramm komplett einstampft. Es wäre wünschenswert, dass Trump eine minimale Urananreicherung für medizinische Forschung und Kernreaktoren zulässt. Umgekehrt müsste sich Iran zur Herausgabe der mehr als 400 Kilogramm mit zu 60 Prozent angereichertem Uran und lückenloser internationaler Kontrolle verpflichten.

Was jetzt nötig ist, ist ein pragmatischer Ruck. Trump müsste von seiner großsprecherischen martialischen Rhetorik herunter, das iranische Regime müsste seine aggressive Ideologie und seine Israelfeindlichkeit abrüsten. Ob dies gelingt, ist völlig offen. Scheitern die Verhandlungen, steht die Welt erneut am Abgrund. Es gäbe nur Verlierer.


© NRZ