Reichinnek und der Antisemitismus: Auf beiden Augen blind

Die Linke findet sich gerade ziemlich cool. Weil die einst tot geglaubte Partei in den bundesweiten Umfragen heute wieder so beliebt ist wie die Grünen. Weil gerade viele junge Wählerinnen und Wähler wieder links wählen. Weil sie als einzige Partei Reiche massiv besteuern wollen, weil sie für spürbare Umverteilung von oben nach unten eintreten. Weil sie Heidi Reichinnek haben. Und dazu noch das Silberlocken-Trio aus Gregor Gysi, Bodo Ramelow und Dietmar Bartsch. Doch zur Wahrheit gehört auch: Die Linke ist auch deshalb so erfolgreich, weil sie Antisemitismus in den eigenen Reihen nicht nur duldet – sondern dem linken Antisemitismus eine politische Heimat gibt.

Linke: Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung stellt sich hinter Amtskollegen

Nicht alle wollen das weiter hinnehmen. Nicht alle drücken beide Augen zu, weil es doch so schön ist, wenn die junge, akademische Free-Palestine-Bewegung am Ende ihr Kreuz bei den Linken macht. Berlins ehemaliger Kultursenator Klaus Lederer trat im Herbst 2024 aus der Linkspartei aus. Jetzt folgte ihm sein Parteifreund Andreas Büttner, Antisemitismusbeauftragter in Brandenburg. Beide ziehen die Reißleine.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, fordert zu Recht die Parteiführung der Linken auf, entschiedener gegen israelbezogenen Antisemitismus in den eigenen Reihen vorzugehen. Doch sein Appell wird verhallen. Das ist bitter. Heidi Reichinnek könnte sich mit ihrer Popularität an die Spitze der Bewegung gegen Antisemitismus setzen. Doch bei der sonst so kämpferischen Frontfrau überwiegt der Machtinstinkt.


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