Nach dem Tod Chameneis: Was der der Region nun droht |
Der religiöse und politische Führer des Iran ist tot. Ali Chamenei ist bereits zu Beginn der israelisch-US-amerikanischen Luftschläge am Samstag in Teheran getötet worden. Auch mehrere andere hochrangige Funktionäre des Mullah-Regimes sind bei den Enthauptungsschlägen ums Leben gekommen.
Im Iran reagierten viele Menschen ausweislich von in sozialen Medien kursierenden Videos noch in der Nacht mit Freudenbekundungen. Andererseits konnte das Regime am Sonntag in mehreren Städten Hunderttausende Sympathisanten zu Trauerkundgebungen mobilisieren, auf denen die Menschen Rache für die Ermordung ihres Führers einforderten.
Chamenei ist für den Tod Zehntausender Menschen verantwortlich
Mit Chamenei ist ein fundamentalistischer Ideologe gestorben, der für den Tod Zehntausender Menschen in den vergangenen Jahrzehnten verantwortlich ist. Chamenei hat Demonstrationen zusammenschießen und massenhafte Exekutionen von Regimegegnern durchführen lassen. Unter seiner Führung sind Terror-Organisationen wie die Hamas oder die Hisbollah aufgebaut, finanziert, trainiert und aufmunitioniert worden. Er hat die ideologischen Leitplanken vorgegeben, die das Leben von Millionen Iranerinnen und Iranern eingeschränkt haben. Moralisch ist der Angriff auf die Führung eines Regimes, das für so viel Leid und Unterdrückung verantwortlich ist, gerechtfertigt – völkerrechtswidrig ist er dennoch.
Die USA und Israel haben ein Feuer gelegt, das sich zu einem verheerenden Flächenbrand ausweiten könnte. Chameneis Tod ist eine Zäsur, bedeutet aber nicht zwangsläufig das Ende des Regimes. Er ist ersetzbar. Das Regime ist breit aufgestellt, hat sich auf ein solches Szenario vorbereitet und dezentrale Kommandostrukturen installiert. Es wird die Ermordung Chameneis propagandistisch ausschlachten. Vielleicht übernehmen jetzt ideologische Hardliner der Revolutionsgarden das Kommando, die seinen Tod als Anlass nehmen, den Krieg gegen Israel, die USA und die US-freundlichen arabischen Golfstaaten zu einem apokalyptischen Endkampf zu eskalieren.
Kollabiert das Regime, droht ein Syrien-Szenario
Andererseits: Wenn Enthauptungsschläge derart erfolgreich sind, bedeutet das, dass die Geheimdienste von Israel und der USA über menschliche Quellen am Boden verfügen, die nah an den führenden Köpfen des Regimes sind und ihre Bewegungen verraten haben. Möglicherweise sind also politisch relevante Regime-Kräfte bereit, sich willfährig zu verhalten und das Land auf einen US-freundlicheren Kurs zu steuern.
Kollabiert das Regime unkontrolliert, droht ein Syrien-Szenario: Kräfte des regulären Militärs könnten sich nach dem Vorbild der Freien Syrischen Armee in den Anfangstagen der syrischen Revolution auf die Seite von Aufständischen schlagen – und sich bewaffnete Auseinandersetzungen mit den Revolutionsgarden liefern. Schlimmstenfalls könnte dem Land ein jahrelanger Bürgerkrieg drohen.