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Castor-Transport beweist: Atomkraft ist energiepolitischer Irrweg

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25.03.2026

Der Castor-Transport aus Jülich ins münsterländische Ahaus ist durchgekommen. Über 2000 Polizisten waren im Einsatz, um die Fahrt des Schwerlasttransporters mit seiner radioaktiven Fracht abzusichern. Es ist der erste von vielen Konvois, die in den kommenden Monaten über die Autobahnen an Rhein und Ruhr rollen werden.

Jede Tour ist ein logistischer Kraftakt. Die Verlegung der insgesamt 300.000 Brennelemente wird fast 100 Millionen Euro verschlingen, die Polizeieinsätze noch nicht eingerechnet. Und wenn alle 152 Container mit dem Atommüll aus dem Jülicher Pannenreaktor in Ahaus angekommen sein werden, ist das noch immer nicht das Ende der Odyssee. Ahaus ist nur ein Zwischenlager.

All das zeigt: Atomkraft ist alles andere als eine kostengünstige Form der Energieerzeugung. Forschung und der Bau von Atomkraftwerken sind mit gewaltigen Summen gefördert worden. Wäre der Betrieb der Meiler risikoabdeckend versichert gewesen, wären die Preise für Atomstrom um ein Mehrfaches höher gewesen. Der Rückbau stillgelegter Meiler und die Zwischenlagerung des strahlenden Mülls verschlingen weitere Milliarden. Die Frage, wo der bislang angefallene Müll für Hunderttausende Jahre sicher eingeschlossen werden kann, ist noch immer nicht geklärt.

Gedankenspiele über eine Reaktivierung der Atomkraft sind also ein energiepolitischer Irrweg – und ein gesellschaftspolitischer. Denn: Der Castor-Transport hat auch gezeigt, dass der Großkonflikt um die Atomkraft weitgehend befriedet ist. Nur wenige Menschen protestierten friedlich längs der Transportstrecke. Wer ernsthaft darüber nachdenkt, einer aus guten Gründen aufs Abstellgleis geschobenen Form der Energiegewinnung eine neue Chance zu geben, riskiert ein Wiederaufflammen dieses Konflikts. Das braucht Deutschland nicht.   


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