Freischwimmer vor! |
Wenn der Bundestag schon einmal eine Petition wohlwollend an die Bundesländer weiterreicht, hat das wahrscheinlich einen Haken. Bei dem Thema Schwimmkurse für alle Kinder muss man nicht lange suchen. Ziemlich schnell kommt man auf die Finanzprobleme von Ländern und Kommunen. Allein letztere müssen aktuell mit einem Gesamt-Rekorddefizit von 30 Milliarden Euro klarkommen. Haupttreiber sind die Sozialausgaben – unter anderem für Sozialhilfe und Kinderbetreuung. Die Zeiten, als am Ende noch Geld für eine neue Schwimmhalle oder deren Sanierung da war, sind lange vorbei. Eher werden Projekte in die ferne Zukunft verschoben. Auch das Sondervermögen Infrastruktur war hier bisher eher nicht hilfreich.
Aber es fehlen nicht nur die Hallen und Freibäder, sondern auch das Personal an den Schulen ist knapp: Jede Klasse muss erst einmal das Bad erreichen, je zwei Begleitpersonen sind nötig. Die sorgen dafür, dass am Ende auch alle Kinder umgezogen, geduscht, geföhnt sind und die Tasche wieder vollständig gepackt ist. Schwimmlehrerinnen und -lehrer werden eher von den Ländern bezahlt, oft sind sie tolle und geduldige Pädagogen. Die Schwimmstunde dient in der Praxis nicht nur dazu, dass die Kinder neue Fähigkeiten erlernen und üben. Sondern sie macht Spaß, alle können sich auch mal austoben. Das Handy bleibt draußen.
Schwimmen bringt also genau das, was Kinder heute in der Regel zu wenig haben. Die Erwachsenen, nicht nur in der Politik, sollten hier mal nicht nur vom eigenen Badeurlaub träumen, sondern endlich die Weichen bei der kommunalen Infrastruktur umstellen: auf bewegungsfreundlich und zugänglich für alle.