Niemand hat die Absicht, eine Minderheitsregierung zu errichten
Man könnte den Eindruck gewinnen, die schwarz-rote Koalition habe plötzlich ein gemeinsames Wellness-Retreat besucht. Nach gut einem Jahr im Amt besucht Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erstmals die SPD-Bundestagsfraktion – auf Einladung. Nach Dutzenden Koalitionsrunden, öffentlich ausgetragenen Streitigkeiten und einem zunehmend frostigen Regierungsalltag betritt der Kanzler die Fraktionsräume des kleineren Koalitionspartners, um den Menschen im Land und auch der eigenen Fraktion ein Symbol der Einigkeit darzubieten.
Nun soll also ein halbstündiger Auftritt, ein gemeinsames Statement vor der Presse und ein freundliches Winken in die Kameras das Verhältnis der Regierungsparteien kitten, das sich über Monate zerrüttet hat. Der Effekt dieser kurzfristigen Harmonieinszenierung wirkt entsprechend begrenzt. Tatsächlich stabile Bündnisse müssen ihre Geschlossenheit nicht theatralisch öffentlich beweisen. Der........
