Hype um Michael Jackson: Fan in the Mirror

Es ist ein bizarres Spektakel, das sich seit einigen Wochen weltweit in Kinos und in den sozialen Menschen abspielt: Vor allem junge Menschen entdecken Michael Jackson für sich und werden zu Supra-Fans, die sich in Verschwörungstheorien, romantischer Fan-Fiction und tiefer Trauer suhlen – manchmal auch gleichzeitig.

»Wenn Michael Jackson dein Boyfriend wäre, würde er auf der Bühne seinen Text vergessen, weil er so schüchtern und aufgeregt ist, wenn er dich im Publikum sieht«, verkündet zum Beispiel ein Fan auf TikTok. Posthum verklären Leute Jackson nicht nur zum größten Künstler, sondern auch zum bestaussehensten, nettesten, talentiertesten und einfach besten Menschen aller Zeiten. »Ich habe ChatGPT gefragt, wie wir Michael wieder zum Leben erwecken können – so verzweifelt bin ich«, heulen Social Media-Nutzer*innen in die Kamera. Die Obsession mit Jackson hat sogar einen Namen bekommen: »Michosis« – ein einfältiges Wortspiel aus »Michael« und dem englischen Wort für Psychose.

Anlass dafür ist das Michael-Jackson-Biopic »Michael«, das seit einigen Wochen in den Kinos läuft und derzeit Rekorde am laufenden Band bricht. Zu Junibeginn rückt »Michael«, produziert von Graham King, erfolgstechnisch immer näher ran an die Queen-Filmbiographie »Bohemian Rhapsody« – ebenfalls produziert von King. Die weltweiten Einnahmen werden in den nächsten Wochen voraussichtlich bei einer Milliarde US-Dollar liegen. Damit wäre dann Kinogeschichte geschrieben: »Michael« könnte in den nächsten Wochen zum größten Musikfilm aller Zeiten avancieren.

Nadia Shehadeh ist Soziologin und lebt für Pop-Absurditäten........

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