Relativ in Ordnung

Es könne sehr schlecht für die Zukunft der Nato ausgehen, sagte Donald Trump, sollten die Nato-Staten nicht Gewehr bei Fuß stehen, um Schiffe durch die vom Iran blockierte Straße von Hormus zu eskortieren. Eine klare Drohung, die Verbündete wie Deutschland oder Italien gerne überhören. Verständlich, wer will sich schon in einen Krieg hineinziehen lassen, dessen Ausgang völlig unklar ist. »Es ist nicht unser Krieg, wir haben ihn nicht begonnen«, tönt der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius. Man wolle diplomatische Lösungen und ein schnelles Ende. Recht hat er, aber warum hat die Bundesregierung nicht vorher lautstark vor diesem Krieg gewarnt, zumindest versucht, die beiden großen Verbündeten USA und Israel von diesem mörderischen Abenteuer abzubringen?

Jetzt ist der Krieg da, ein völkerrechtswidriger, ergo illegaler Angriffskrieg gegen ein souveränes Land, dessen brutal agierende Regierung man nicht mögen muss, aber dessen diktatorische Natur keine Rechtfertigung für eine militärische Aggression sein kann. Andernfalls ließe sich bestimmt ein Dutzend Länder finden, die man bombardieren sollte. Aber den Nato-Staaten geht es gar nicht um den Krieg an sich. Den finden die meisten relativ in Ordnung, klare Verurteilungen des Angriffskriegs waren kaum zu hören. Wenn die militärische Infrastruktur des Irans zerstört ist, werden die Nato-Staaten augenscheinlich alle glücklich sein, weil andere diese »Drecksarbeit« übernommen haben. Die Hunderten von Menschenopfer, die das kosten wird, verbucht man dann als Spesen.


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