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Die Kluft zwischen urbanen Eliten und Abgehängten wird zur Gefahr für die Demokratie

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14.06.2019

In weiten Teilen Europas und darüber hinaus stehen die Zeichen auf Polarisierung, Unruhe und Konflikt. Es liege ein Wandel in der Luft, auf den niemand vorbereitet sei, meint «Bloomberg Businessweek». Der Kapitalismus sei zu weit gegangen, er funktioniere nur noch für wenige, klagt Larry Fink, CEO des weltgrössten Vermögensverwalters Blackrock. Der Siemens-Chef Joe Kaeser warnt vor einer Spaltung der Gesellschaft. Die Milliardäre Jamie Dimon (JP Morgan Chase), Howard Marks (Oaktree) und Ray Dalio (Bridgewater) malen eine Revolution an die Wand und fordern eine Reform des Kapitalismus.

Laut OECD reichen mittlere Qualifikationen nicht mehr aus, um mittlere Einkommen zu erzielen. In Deutschland treiben wachsende Lohnungleichheit, Überforderung am Arbeitsplatz und der Mangel an bezahlbarem Wohnraum immer mehr Menschen um, während Vorschläge zur Kollektivierung von Konzernen und zur Enteignung grosser Immobilienfirmen auf unerwartetes Verständnis treffen.

Der Berliner Politikwissenschafter Wolfgang Merkel meint, die Verschärfung sozioökonomischer Ungleichheit habe den alten Klassenkonflikt zurückgebracht, werde aber von einer kulturell-identitären Konfliktlinie zwischen Kosmopoliten und Kommunitaristen überlagert. In der «neuen Konfliktlandschaft» driften die Weltsichten der Globalisierungsgewinner und -verlierer immer weiter auseinander.

Gemäss einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung rangiert die Angst vor einer weiteren Spaltung der Gesellschaft (81 Prozent) höher als diejenige vor einer Zunahme von Kriminalität und Terror durch unkontrollierte Zuwanderung (73 Prozent). Eine grosse Mehrheit beklagt den Verlust des Zusammengehörigkeitsgefühls. Die wachsende Kluft zwischen Gebildeten und Abgehängten, urbanen Eliten und dem Rest der Bevölkerung wird zu einer realen Gefahr........

© Neue Zürcher Zeitung