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Warum der Frauenstreik in die Mottenkiste der Geschichte gehört

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14.06.2019

Braucht es neben dem Klimastreik jetzt auch noch einen Frauenstreik? Handelt es sich, wie Kritiker monieren, um eine weitere Modeströmung, angeführt von Feministinnen, die sich mit Trillerpfeife und Pussyhat in den kollektiven Dienst der Gewerkschaften stellen und den Opferstatus der Frauen beklagen?

Betrachtet man die rasanten Fortschritte von Frauen in den letzten zwei Dekaden, leuchtet die Protestaktion jedenfalls nicht ein: Erstmals in der Geschichte der Schweiz sind jüngst zwei Frauen am selben Tag in den Bundesrat gewählt worden. Bei den Wahlen in kantonale Parlamente und Regierungen haben Frauen im Frühjahr gleich reihenweise gesiegt. Das Gleichstellungsgesetz, das jegliche Diskriminierung von Frauen (oder Männern) im Berufsalltag verbietet, ist seit über zwanzig Jahren in Kraft. Frauen stellen mittlerweile die Mehrheit der Hochschulabsolventen. An den Gymnasien sind sie dermassen stark vertreten, dass besorgte Pädagogen die Frage aufwerfen, ob der Übertritt ins Gymnasium später stattfinden sollte, um dem verzögerten Entwicklungsstadium von Knaben Rechnung zu tragen. Mädchen haben heute die Qual der Wahl, ob sie Pilotinnen, Ingenieurinnen, Handwerkerinnen oder Zukunftsforscherinnen werden wollen. Frauen stossen, wenn auch zögerlich, in Führungsetagen vor, und ihre Erwerbsarbeit hat in den zurückliegenden zwanzig Jahren dermassen stark zugenommen, dass man schon von einer weiblichen Revolution am Arbeitsmarkt sprechen muss. Jeder Firmenchef, der um ein modernes Image bemüht ist, preist heute die Vorteile der Diversität und schwärmt von einer auf Vielfalt bedachten Unternehmenskultur sowie geschlechterdurchmischten Teams.

Und gleichwohl sind zentrale Anliegen des ausgerufenen Frauenstreiks durchaus gerechtfertigt – an vorderster Front die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit. Hier haben es die Arbeitgeber in den letzten zehn Jahren versäumt, auf freiwilliger Basis wie mit dem 2009 gestarteten Lohndialog Transparenz zu schaffen und dem in der Bundesverfassung verankerten Grundsatz nachzukommen. Man kann es drehen und wenden wie man will: Die Lohnkluft zwischen den Geschlechtern, die sich nicht auf objektive Kriterien wie die ausgeübte Tätigkeit, das Bildungsniveau oder die Anzahl Dienstjahre zurückführen lässt, hält sich seit zwanzig Jahren hartnäckig. Teilzeitarbeit oder das angeblich schlechtere Verhandlungsgeschick von Frauen sind wenig schlüssige Erklärungen für die........

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