We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Das Recht auf Unschuldsvermutung – eine Verteidigung der juristischen Verteidigung

6 19 0
22.05.2019

Wie man der Presse entnehmen kann, ist der Juraprofessor Ronald Sullivan jr., der renommierte Vorsteher eines der Harvard-Colleges, nicht wiedergewählt worden, weil sich unter den 400 Studenten des Hauses «das Klima» verschlechtert habe. Grund für diese Klimaverschlechterung sei gewesen, dass Sullivan sich dem Verteidigerteam des Hollywood-Filmproduzenten Harvey Weinstein angeschlossen habe, der beschuldigt wird, Frauen vergewaltigt oder zumindest belästigt zu haben. Über diese Beschuldigungen werden Gerichte zu entscheiden haben. Schon jetzt aber wirft der Fall Sullivan Grundfragen des Rechts und speziell des Strafrechts auf.

Nicht selten kann man in Gesprächen ein gewisses Unbehagen über Rechte von Beschuldigten hören. Warum hat ein Beschuldigter, dem abscheuliche Verbrechen vorgeworfen werden, etwa ein Recht, dass seine Sache überhaupt von einem Gericht verhandelt wird, oder ein Recht zu schweigen, ein Recht, dass seine Verurteilung grundsätzlich unter der Kontrolle der Öffentlichkeit stattfindet, oder eben ein Recht, sich eines Verteidigers seiner Wahl zu bedienen? Hat denn ein gefährlicher Straftäter solche und andere Rechte verdient?

Das Recht schlägt hier einen Haken, den insbesondere viele Nichtjuristen auf den ersten Blick nicht........

© Neue Zürcher Zeitung