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Woher dieser fanatische Hass auf jene, die für sich die Freiheit des Denkens noch in Anspruch nehmen wollen?

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30.04.2019

Neulich erreichte mich die elektronische Nachricht eines Studenten, der ein etwas seltsames Anliegen vorbrachte. Er schreibe an einer Arbeit über die Vorschriften des «geschlechtsneutralen Sprachgebrauchs» an seiner Universität, und er habe gelesen, dass ich es den Studenten in meinen Seminaren freistelle, ob sie «gendern» oder nicht. Das habe ihn doch sehr gewundert, dass da jemand gegen den akademischen Common Sense verstosse. Da er sich aber auch für «konträre» Argumente interessiere, wolle er mir die Gelegenheit einräumen, meinen Standpunkt darzustellen.

Ich gestehe, ich war verwundert. Verteidigen muss sich heute also jemand, der jungen Erwachsenen, die an einer Universität studieren, also zur geistigen Elite des Landes gehören, die Freiheit zugesteht, in sprachpolitisch sensiblen Fragen selbst zu entscheiden, wie sie es damit halten wollen. Freiheit ist zu einem «konträren» Standpunkt geworden, der unter Rechtfertigungsdruck gesetzt wird. Das kann nur bedeuten,........

© Neue Zürcher Zeitung