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Die gigantische virtuelle Bibliothek hinterlässt keine Spuren

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02.07.2019

Die Digitalisierung, bewundert viel und viel gescholten, verhilft manchmal zu Entdeckungen, die man lieber nicht gemacht hätte. So lasen wir in Elias Canettis Roman «Die Blendung», dass eine Ansammlung von Büchern erst dann eine ernstzunehmende Bibliothek genannt werden darf, wenn sie etwa 20 000 Bände umfasst; wir verstanden das nicht nur, sondern setzten alles daran, in den Besitz und den Genuss solch einer Bibliothek zu kommen.

Nach Erfordernissen, Launen und Zufällen kauften wir Bücher, manchmal unter einem systematischen Gesichtspunkt, manchmal willkürlich, manchmal weil es der Zeitgeist so wollte, dann wieder, weil wir gegen diesen rebellierten. Was dabei in Jahren und Jahrzehnten zusammenkam, war vielleicht nicht immer eine Bibliothek, die Canettis Vorgaben entsprach, aber es war eine unübersehbare, die Wohnung füllende und beherrschende Dokumentation eines geistigen Lebens.

Die Bücher einer........

© Neue Zürcher Zeitung