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Regionalisierung und Handelskrieg sind keine Antworten auf die Tücken der Globalisierung

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18.06.2019

«Manche Leute sagen, wir müssten eine Pause einlegen und über die Globalisierung diskutieren. Wir könnten genauso gut darüber diskutieren, ob denn der Herbst auf den Sommer folgen soll.» Tony Blair (2005)

Die Globalisierung hatte schon immer einen Nachgeschmack, auch wenn sie insgesamt bekömmlich ist. Wer vor den 1990er Jahren Ferien in Italien verbrachte, freute sich häufig schon die ganze Fahrt in den Süden auf die erste Aranciata. Als dann dank einem globalen Unternehmen die Orangenlimonade beinahe überall auf der Welt erhältlich wurde, profitierten zwar alle davon, die nicht nach Italien fahren konnten, um Aranciata zu trinken. Für diejenigen, für die das Getränk zu Sonne, Strand und Ferienflirt gehörte, verwässerte jedoch die allgegenwärtige Präsenz den einstigen Reiz.

Internationale Marken setzen lokale Platzhirsche unter Druck. Dabei erhöht sich die Vielfalt am lokalen Markt zumindest am Anfang, auf globaler Ebene hat sich jedoch paradoxerweise für einige Zeit ein Einheitsbrei ausgebreitet. Seit einiger Zeit tauchen wieder verstärkt lokale Limonaden, Colas, Biere, Whiskeys oder Gins auf, oder alte Marken werden aus der Versenkung geholt, was teilweise als ein Konsumentenvotum gegen globalisierte Produkte gewertet werden kann.

Was am Getränkemarkt passiert, geschieht auch im Grossen. Die Globalisierung brachte einen ungeahnten Anstieg des Wohlstands – sowohl in armen wie auch in reichen Ländern. Die internationale Arbeitsteilung ist eines der erfolgreichsten Instrumente, um Armut zu bekämpfen. Gleichzeitig kann nicht verleugnet werden, dass die Globalisierung nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer – oder Abgehängte – hervorgebracht hat.

Die politischen Eruptionen dieser im Grunde banalen Erkenntnis haben dazu geführt, dass in manchen Ländern, angeführt von den Vereinigten Staaten, Protektionismus wieder salonfähig wurde. Neue Gespenster gehen um – die Gespenster der Desintegration, Entglobalisierung und Regionalisierung. Mit all diesen Begriffen soll eines beschrieben werden: War einst die Globalisierung als unvermeidlich betrachtet worden, wird jetzt immer mehr infrage gestellt, ob es sich lohnt, international zu kooperieren und die Grenzen offen zu halten. Stagnierende Löhne oder gar Arbeitslosigkeit, so die These, führen zu........

© Neue Zürcher Zeitung