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Der Welthandel im Dschungelcamp: Regeln sollten vor Macht kommen

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15.05.2019

Freihandel ist eine explosive Kraft. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schützten die sogenannten Korngesetze mit hohen Einfuhrzöllen die Landwirtschaft in Grossbritannien. Mit der Aufhebung dieser Gesetze im Jahr 1846 gelang auf der Insel nicht nur die entscheidende Wende in Richtung Freihandel, die Liberalisierung sprengte auch die regierenden Konservativen in zwei Lager, was den Konflikt zwischen Grossgrundbesitzern und den städtischen Industriellen spiegelte. Freihandel wirkt zudem befreiend: In den vergangenen dreissig Jahren halbierte sich mithilfe der internationalen Arbeitsteilung die extreme Armut in der Welt.

Doch auch der umgekehrte Prozess, Protektionismus, hat explosive Kraft. Seit der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China eskaliert ist und sich die zwei grössten Wirtschaftsmächte der Welt mit Zollerhöhungen und Drohungen überziehen, stehen die Zeichen auf wirtschaftlichen Sturm und den Zusammenbruch der internationalen Welthandelsordnung. Handel wird als ein Nullsummenspiel betrachtet, bei dem der eine das gewinnt, was der andere verliert. Der amerikanische Präsident Donald Trump zögert dabei nicht, seine Zollwaffe nicht nur gegen China, sondern auch gegen Verbündete zu richten.

In den kommenden Tagen muss Washington entscheiden, ob Autos und Autoteile mit Zusatzzöllen belegt werden sollen, was vor allem die EU, Japan, Südkorea, Mexiko und Kanada träfe. Die Verhandlungen mit Tokio und Brüssel sind noch nicht aus den Startlöchern gekommen, und die EU hat sich bereits Gegenmassnahmen zurechtgelegt, falls die Autozölle kommen sollten. Trump setzte zwar eine Neuverhandlung des Freihandelsabkommens von 1994 zwischen den USA, Mexiko und Kanada durch. Die Ratifizierung wird jedoch im Kongress blockiert. Mit seinem Säbelrasseln hat Trump bisher wenig erreicht.

Von Winston Churchill ist folgender Spruch überliefert: «Man kann sich immer darauf verlassen, dass die Amerikaner das Richtige tun, nachdem sie alles andere ausprobiert haben.» Ob der Handelsstreit schon so weit gediehen ist, lässt sich schwerlich sagen. Washington versucht nicht erst seit Präsident Trump, eine härtere Gangart gegenüber der als unfair empfundenen Handelspolitik der Chinesen........

© Neue Zürcher Zeitung