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Irgendetwas ist immer wahr – auch wenn Deepfakes widerlegt werden, werfen sie die Dividende des Lügners ab

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09.08.2019

Es wird immer schwieriger, sich gegen Falschinformation zu wappnen. Computergenerierte Bilder ermöglichen mittlerweile täuschend echte Fälschungen: Deepfakes. Bekannt geworden ist etwa das Video, das Nancy Pelosi, die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, betrunken zeigt; oder Mark Zuckerberg, der über sich prahlt: «Stell dir für eine Sekunde vor: Ein Mann kontrolliert Milliarden gestohlener Daten von Leuten, alle ihre Geheimnisse, ihr Leben, ihre Zukunft.» Beliebt ist auch der Austausch von Gesichtern zwischen beliebigen Personen und Pornodarstellern: «Face-Swapping».

Der Gedanke, dass irgendein Fiesling im Internet solche Austausche relativ leicht tätigt, mutet doch recht unbehaglich an. Wahrscheinlich werden sich Deepfakes – auch Cheapfakes genannt – im Alltag endemisch ausbreiten und damit die Informationsflüsse zunehmend kontaminieren. Und verunklären kann man die Flüsse mit relativ wenigen Falschinformationen – dank einer beispiellosen Kombination aus sozialen Netzwerken, viraler Verbreitung von Nachrichten, kognitiven Voreingenommenheiten, Newsfeed und nicht zuletzt dank der Polarisierung zwischen Netzstämmen.

Wir bekommen es mit einer Tücke der Falschinformation zu tun: Ihre Verbreitung ist ungleich leichter als ihre Korrektur. Selbst wenn man ein Fake einmal als solches entlarvt hat, hält es sich mit bemerkenswerter Beharrlichkeit im Netz. Das Phänomen hat bereits einen Namen: «Dividende des Lügners».

Unserer physiologischen Wahrnehmung lassen sich mentale Brillen aufsetzen.

Das Aufdecken von Fakes erhöht unter Umständen ihre Attraktivität. Es geht ja nicht um Wahrheit, sondern um Aufmerksamkeitsbindung. Zusätzlich zum Schüren des Feuers von Fakes legitimieren wir auch die Debatte über deren Falschheit. Denn die Legitimität der Debatte hängt von der Zahl derer ab, die sich daran beteiligen. Das verstärkt unter Umständen den Argwohn, dass am Fake doch «etwas Wahres» dran sein könnte. «Never wrong for long», lautet der Slogan. Letztlich kann sich dies also als Dividende für den auszahlen, der das Fake in die........

© Neue Zürcher Zeitung