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Vom Regen in die Traufe

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18.09.2019


Was war das für eine Wahl der etwa 6,4 Millionen Wahlberechtigten, die erneut aufgerufen waren, die 120 Knesset-Mitglieder der 22. Knesset (israelisches Parlament) zu wählen Wirklich einig waren sich die Herausforderer von Netanjahu nur im Standardsatz "Netanjahu muss weg". Eine wichtige und richtige Forderung, die allerdings keine wirklich guten Aussichten hat und für die Palästinenser keine gute Perspektive bietet. Netanjahu und Benny Gantz unterscheiden sich nur in Nuancen. Allerdings sind "Bibi" Netanjahu und seine "Schrecklich nette Familie" im Gegensatz zu Gantz von Korruptionsvorwürfen geplagt und hoffentlich schon mit einem Fuß im Gefängnis – wenn er endlich sein Amt und seine Immunität verloren hat. Natürlich wird er in seiner Verschlagenheit nochmals versuchen, mit allen Mitteln eine Regierungsbildung mit dem rechtsextremen Lager und letzten Freunden zu erreichen, um doch "sein" Gesetz durch die Knesset zu bringen, das ihm Immunität zusichert und als "Sahnehäubchen" dazu ein weiteres, das dem Obersten Gerichtshof untersagt, dieses und weitere von ihm eingebrachte, im Parlament abgesegnete Gesetze zu überstimmen. Wozu er und seine Anhänger fähig und willig sind, haben sie schon allzu oft bewiesen. Auch in Sachen Lügen und illegalen Handlungen ist er ein Meister, ganz im Stil seiner populistischen Kollegen weltweit. Wenn ihm wie jetzt das Wasser bis zum Hals steht, können wir uns nochmals auf Steigerungen gefasst machen, die ihn hoffentlich letztlich zu Fall bringen werden. Aber im Kontext der Koalitionsgespräche und der möglichen Entstehung einer Einheitsregierung überlegen die Likud-Figuren vielleicht schon, wie sie ihren langfristigen Führer absetzen können, um die Partei an der Macht zu halten.

Beider Ziel: sich die ungeliebten Palästinenser vom Hals schaffen

Vergleichen wir allerdings, die Positionen der beiden Kontrahenten, dann sind sie sich sehr ähnlich und in "Sicherheitsfragen" kriegerischer Angriffslust scheint Gantz vorne zu liegen. Dem Gantz, dem es eigentlich "keinen Spaß" macht zu regieren, wie er sich nach einem peinlichen Ausrutscher während einer Wahlkampfveranstaltung korrigieren musste, der auch Probleme mit Rhetorik und Namen hat, die er schon mal verwechselt, aber nicht "fluchen oder pöbeln" möchte und sich den Menschen auf "Augenhöhe" nähern will, ist in puncto "Sicherheitsfragen" ein Hardliner ebenso wie sein Kontrahent "Mr. Sicherheit", was nichts anderes heißt, als sich die ungeliebten Palästinenser vom Hals zu schaffen und den Gazastreifen und die verhasste Hamas zu liquidieren. Wie er seine "neue Hoffnung" auf ein liberales und säkulares Israel, ohne Korruption und Extremismus, im Gegensatz zum "Heilsbringer" gestalten will, dass auch vor den arabischen-palästinensischen Israelis Respekt zeigt, bleibt sein Geheimnis. Schließlich rühmte er sich, die Idee, das besetzte Jordantal zu annektieren, sei von ihm gekommen und Netanjahu habe sie ihm geklaut.

Da fragt man sich schon, was geht in diesem ehemaligen Armeechef mit genug "blutigen" Erfahrungen vor, wenn er damit........

© Neue Rheinische Zeitung