We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Die Flagge als Symbol der Unterdrückung und Ausgrenzung

5 0 0
13.11.2019


Der Kritik des Linken-Stadtverordneten Simon Aulepp ist es zu danken, dass endlich einmal ein Streit und eine Diskussionsgrundlage in Deutschland entstehen. Wer ist Jude und was bedeutet das Judentum in Deutschland? (1) Er stellt die berechtigte Frage, ob die Stadtverwaltung am Rathaus die Flagge von Saudi-Arabien hissen würde, wenn bei einem Anschlag in Deutschland Muslime getötet wurden? Allerdings erscheint mir in diesem Kontext Saudi-Arabien wenig hilfreich. Ich fände die Türkei den richtigen Staat in diesem Zusammenhang, wenn es darum geht, Mitgefühl bei rassistischen Morden auszudrücken. Immerhin leben etwa 3,5 Millionen türkischstämmige Bürger in Deutschland.

Keine Solidarität mit einer Armee, die "Hass und Freude am Töten zeigt"!


Während dagegen protestiert wird, wenn türkische Fußballer salutieren, wird es freudig hingenommen, dass deutsche Bürger sich freiwillig für die jüdische "Verteidigungsarmee" melden und damit als Deutsche eine Armee unterstützen, die die illegale Besatzung Palästinas mit allen völkerrechtswidrigen Mitteln sichert, einer Armee, die laut eigener Soldaten, die ihr Schweigen brachen, "Hass und Freude am Töten zeigt". (2)(3)(4)

Was sind das für Doppelstandards. Es scheint, wenn es um Muslime und Türken geht, dann spürt man die Islamophobie, die Deutschland und Europa ergriffen hat. Hat Deutschland, die deutsche Bundesregierung, jemals daran gedacht, nach den NSU-Morden an türkisch-stämmigen Menschen die türkische Flagge als Zeichen der Trauer oder Anteilnahme zu hissen? Niemals wäre diese Geste in Erwägung gezogen worden. Ja, der Holocaust bleibt ewig unvergessen, gibt aber kein Recht, diesen einseitig zu instrumentalisieren.

Die Frage, die Aulepp an den Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle stellte, war polemisch überspitzt, aber absolut berechtigt. Mit dem gescheiterten Anschlag eines rechtsextremen Täters in der Synagoge in Halle hat die David-Stern-Flagge nichts zu tun. Richtig wäre es gewesen, und da pflichte ich Aulepp vollkommen zu, zur Bekundung der deutschen Anteilnahme die deutsche Flagge auf Halbmast zu setzen. Schließlich war es kein Anschlag auf den "Jüdischen Staat", sondern es war eine Tat gegen eine Glaubensgemeinschaft. Allerdings fragt man sich schon angesichts der Antwort des OB Geselle, welches Glaubensverständnis er eigentlich hat? Auf Nachfrage der Presse meinte er doch tatsächlich, dass das Hissen der Israel-Flagge als "deutliches Zeichen der Solidarität mit den Menschen jüdischen Glaubens zu sehen ist“. Und: "Jede antisemitische Aktion ist auch immer ein Angriff auf den Staat Israel".

Antisemitismus nicht missbrauchen, um die Politik Israels damit vertuschen!

Ähnlich sieht man das auch in der Jüdischen Gemeinde und freute sich........

© Neue Rheinische Zeitung