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Das Virus des Islamhasses verbreitet sich rasant

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26.02.2020


Deutschland hat viel zu bieten an rhetorischen Vorbildern, die es immer wieder verstanden haben, Hass und Neid auf andere abzuladen. Vergessen wir nicht, dass am 15. November 1879 ein bekannter liberaler Geschichtsprofessor, Heinrich von Treitschke, damals in seinem Artikel "Unsere Aussichten" deutsche Juden frontal angriff. Mit dem Satz "Die Juden sind unser Unglück" wollte er – der "Tabubrecher" – beweisen, dass er die Pose des nationalen Verkünders übernehmen wollte, der bereit ist, gegen eine Welt von Feinden zu Felde zu ziehen, damit nicht die "Jahrtausende germanischer Gesittung" abgelöst werden würden durch ein "Zeitalter deutsch-jüdischer Mischkultur".

Sind die Muslime die heutigen Juden in Deutschland?

Warum ich diese Parallele ziehe? Weil wir es heute wieder mit deutschen Politikern zu tun haben, die seit Jahren schon mit Worten ein Klima rassistischer Ausgrenzung ausüben, das von bloßen Vorurteilen unweigerlich zu heutigem rassistischen Terror führen musste. Sind die Muslime die heutigen Juden in Deutschland? In gewisser Weise schon, schließlich werden sie mit Vorurteilen bedacht, die sie als potenzielle Terroristen erscheinen lassen, wodurch der Islam insgesamt unter Generalverdacht gestellt wird. Allerdings tragen zu diesem Übel auch die ständigen Angriffe jüdischer Funktionäre bei, die immer wieder auf einen "muslimischen Antisemitismus" hinweisen, um so die Kritik am "Jüdischen Staat" zu kriminalisieren und unter Terrorverdacht zu stellen.

Die Anliegen der Muslime wurden vollkommen vernachlässigt

Waren es nicht vergiftete Worte wie "Döner-Morde", „Soko-Bosporus“ oder "Kopftuchmädchen", einem von dem immer noch SPD(!)-Mitglied Thilo Sarrazin erfundenen Begriff, der mit seinen Büchern viel Vorurteile und Islam-Hass schürte? Während man in Deutschland immer nur der Israel-Lobby verfallen war und "Kippa-Tage" und "Davidstern-Tage" veranstaltete und eine Schwemme von "Antisemitismusbeauftragten" ernannte, wurden die Anliegen der Muslime völlig vernachlässigt. Es wurde ihnen der Schutz verweigert, der ihnen als gleichberechtigte Bürger zusteht. Ist nicht das Grundgesetz mehr als deutlich? Die Würde des Menschen ist unantastbar und das gilt eben für alle Bürger oder etwa nicht?

Seehofer trägt eine Hauptschuld an der heutigen Situation


Bundesinnenminister Seehofer, der vom Saulus zum Paulus mutierte, trägt eine Hauptschuld an der heutigen schrecklichen Situation. War es nicht gerade er, der den Nährboden für Rassismus legte mit Sätzen wie: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland", "Migration ist die Mutter aller Probleme"? Wer hielt denn die schützende Hand über den ehemaligen Präsidenten des Verfassungsschutzes, Hans-Georg-Maaßen? Er hielt noch an ihm fest, anstatt ihn sofort zu entlassen, als sich schon längst abzeichnete, wohin der deutsche Verfassungsschutz abgedriftet war. War es nicht der Verfassungsschutz, der mit Hilfe eines Netzwerkes von Informanten rechtsextreme Netzwerke mit Verbindungen zu Militär und Polizei unterhielt, mit mehreren Informanten, die allein im Umfeld des Terrornetzwerks NSU tätig waren, das schon damals eine Todesliste mit tausenden von Namen führte.

Bis heute sind die NSU-Verbrechen nicht restlos aufgeklärt und werden wohl auch für immer für die Öffentlichkeit verborgen bleiben, weil es sonst schnell klar wäre, dass auch die Politik mit der Rechtsblindheit und einem erbitterten Kampf gegen Linke so beschäftigt waren, dass es zu den heutigen Zuständen kommen musste.

Warum konnte sich die........

© Neue Rheinische Zeitung