Mobilität ist ein Menschenrecht

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Kommentar
Öffentlichen Personenverkehr global kostenlos für alle freigeben - kontra Schwarzfahrer-Kriminalisierung
Mobilität ist ein Menschenrecht
Von Christopher Dömges

Es gibt Sätze, die so selbstverständlich klingen, dass man sich fragt, warum ihre Umsetzung noch immer wie eine radikale Forderung behandelt wird. Einer davon lautet: Mobilität ist ein Menschenrecht. Wer arbeiten will, wer zur Schule muss, wer Angehörige pflegt, wer zum Arzt fährt oder einfach am gesellschaftlichen Leben teilnehmen möchte, braucht die Möglichkeit, sich zu bewegen. Nicht irgendwann, nicht vielleicht, nicht nur dann, wenn das Portemonnaie es gerade zulässt. Mobilität ist die Voraussetzung dafür, dass Freiheit nicht bloß ein Wort bleibt. Und genau deshalb gehört der öffentliche Personenverkehr nicht an die Kasse, sondern in die Grundversorgung.

Die Debatte über kostenlose Busse und Bahnen wird oft so geführt, als handele es sich um eine utopische Spielerei für idealistische Sonntagsreden. Tatsächlich ist sie eine nüchterne Antwort auf ein reales Problem: Der Zugang zu Mobilität ist in vielen Städten und Regionen ungleich verteilt. Wer genug Geld hat, kauft sich Unabhängigkeit. Wer wenig hat, rechnet Wege, Zeiten und Tickets gegeneinander auf. Am Ende entscheidet nicht der Bedarf, sondern der Preis. Das ist sozial ungerecht, ökologisch kurzsichtig und politisch gefährlich.

VERTEILUNGSSYSTEM

Denn der Verkehr ist nicht nur ein logistisches System. Er ist ein Verteilungssystem für Chancen. Wer den Bus verpasst, verpasst oft mehr als nur eine Verbindung. Wer sich die Monatskarte nicht leisten kann, bleibt außen vor. Wer in Randlagen wohnt, ist besonders abhängig von funktionierendem Nahverkehr. Und wer in Schichtarbeit, Ausbildung oder prekären Beschäftigungsverhältnissen steckt, kennt die tägliche Rechnung zwischen Mobilität und Mangel. Ein kostenloser........

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