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Papst gibt 68ern die Schuld - Bischof hält sich für mitschuldig an Vertuschung

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29.04.2019

Ex-Papst Benedikt hat zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche kontroverse Thesen geäußert. Der Eichstätter Bischof Hanke hält sich für mitschuldig an der Vertuschung.

Update vom 29. April: Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hält sich eigenen Worten zufolge für mitschuldig an der Vertuschung von Missbrauchstaten in der katholischen Kirche. Der Umgang mit den Missbrauchsfällen sei sicher ein Beleg dafür, „dass die Institution Kirche an der eigenen Selbstfixierung leidet“, schrieb Hanke in einem Gastkommentar für die „Herder Korrespondenz“. Es habe ein Bewusstsein gefehlt, wie verheerend ein falscher Umgang mit den Tätern sein könne. „Ich spreche hier kein Schuldurteil über andere, ich schließe mich selber ein“, betonte Hanke.

„Die Vertuschung hat ihre Ursache in diesem geschlossenen Kreis, in dem die Selbstkritik keinen Platz hat.“ Es habe daher nach den Missbrauchstaten zu oft ein Inner-Circle-Denken geherrscht. „Nach dem Motto: Junge, Du hast gesündigt, aber es wird schon wieder“, sagte Hanke und ergänzte: „Da kam das Opfer nicht vor.“

Sexueller Missbrauch durch Geistliche wurde in der Vergangenheit in vielerlei Hinsicht und in vielen Ländern kleingeredet oder vertuscht - auch in Deutschland. In einer von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen und im September 2018 veröffentlichten Studie waren etliche Missbrauchsfälle dokumentiert worden.

Update am 20. April 2019: In einem Aufsatz sieht Papst Benedikt in der 68er-Bewegung und der damit einhergehenden sexuellen Revolution eine Ursache für Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Durch die 68er habe sich „ein Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie ereignet, der die Kirche wehrlos gegenüber den Vorgängen in der Gesellschaft machte“. Die vorher gelten Maßstäbe in Fragen der Sexualität seien „vollkommen weggebrochen“, es sei eine „Normlosigkeit entstanden“.

Der Aufsatz im bayerischen Klerusblatt hatte für Empörung und zahlreiche kritische Reaktionen gesorgt. Nun meldete sich auch der Passauer Bischof Stefan Oster zu Wort - und verteidigte Papst Benedikt. Er sei dem Papst „sehr dankbar“ für den Aufsatz. Er lese den Text "schlicht als Ausdruck seines Mitgehens, Mitfühlens und Mitleidens mit der Kirche, mit der geschichtlichen Situation, in der wir stehen und in die wir gekommen sind, mit den Menschen, die in der Kirche handeln und mit denen, die von der Kirche misshandelt worden sind", schreibt Oster auf seiner Internetseite.

Papst Benedikt habe eine Gottlosigkeit und eine Entfremdung vom Glauben in der Gesellschaft beklagt. Oster sieht es genauso: "Wenn Gott nicht mehr als anwesend geglaubt wird, verlagert sich die Einschätzung dessen, was Sünde ist, vor allem in mein eigenes, subjektives Urteil.“ Eine aus seiner Sicht „gefährliche Bedrohung“.

Update vom 17. April, 7.30 Uhr: Angesichts der Enthüllungen über den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche erwartet die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ein stärkeres Gegensteuern der Kirche. „Die katholische Kirche trägt ohne Wenn und Aber Schuld daran, dass sie die Aufklärung dieser Verbrechen an den Kindern systemisch verhindert und damit auch den Missbrauch ermöglicht hat. Das ist die große Schuld, die die Kirche in sich trägt“, sagte sie der Zeitschrift „Publik-Forum“. „Die Bemühungen, die es jetzt gibt, reichen bei Weitem nicht aus, um dafür zu sorgen, dass sich ein solches Versagen der Institution Kirche nicht wiederholt.“

Überdies sprach sich Kramp-Karrenbauer, die dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken angehört, dafür aus, künftig auch Priesterinnen in der katholischen Kirche zuzulassen. „Ein erster Schritt wäre, Frauen zum Diakonat zuzulassen. Angesichts des Priestermangels wäre ein zweiter, den Pflichtzölibat aufzuheben. Dann wären mehr Männer bereit, Priester zu werden“, sagte sie.

Auf die Frage, ob der Zölibat und die rigide Sexualmoral der Kirche den Missbrauch an Kindern begünstigt habe, sagte Kramp-Karrenbauer, vor allem habe dies mit jedem einzelnen Täter zu tun. „Kein Täter kann sagen, dass er ein Opfer der Umstände oder des Systems Kirche ist.“

Update vom 16. April, 16.45 Uhr: Mit seiner provokanten Schrift hatte der ehemalige Papst Benedikt in den letzten Tagen für Furore gesorgt. Am Dienstag bekam er nun aber sicher in großer Mehrheit positive Anrufe, denn der emeritierte Papst feiert seinen 92. Geburtstag. Neben Papst Franziskus gratulierte unter anderem auch Benedikts leiblicher Bruder Georg.........

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