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Papst gab 68ern die Schuld - Kardinal Marx wirbt für neuen Blick auf die Kirche

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31.05.2019

Ex-Papst Benedikt hat zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche kontroverse Thesen geäußert. Der Eichstätter Bischof Hanke hält sich für mitschuldig an der Vertuschung.

Update vom 31. Mai 2019:

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat Verständnis für die große Enttäuschung vieler Menschen über das Handeln Verantwortlicher in der Kirche. Angesichts von Missbrauchskrise und sinkenden Mitgliederzahlen müsse die katholische Kirche Probleme „intensiv“ anpacken und sich zugleich auf den Kernauftrag besinnen, so der Erzbischof von München und Freising in einem Radiobeitrag, der an diesem Samstag im Bayerischen Rundfunk gesendet wird. „Kirche ist da, um von Gott zu reden, und zwar zu allen Menschen. Kirche ist nicht für sich selbst da, sondern für die Welt, für die Menschen in der Nähe und in der Ferne.“ Die Kirche habe viel Vertrauen verloren, ihr Ansehen habe stark gelitten.

Marx betonte das starke Engagement von Haupt- und Ehrenamtlichen wie Kirchenmusikern, Mesnern, Erziehern, Pflegekräften und Seelsorgern. Es sei bedauernswert, dass dieses Engagement oft in den Hintergrund gerate. Deshalb werde man auch „im geplanten Synodalen Weg gemeinsam überlegen, wozu die Kirche da ist und was wir überhaupt meinen, wenn wir von Kirche sprechen“, sagte der Erzbischof laut am Freitag verbreiteter Mitteilung weiter. Alle Menschen, die sich zu dieser Gemeinschaft bekennen, seien gleichermaßen Kirche. „Mir ist es wichtig, diese Perspektive wieder deutlicher zu machen. Dann können wir auch die konkreten Probleme besser angehen“, so Marx.

Update vom 29. April: Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hält sich eigenen Worten zufolge für mitschuldig an der Vertuschung von Missbrauchstaten in der katholischen Kirche. Der Umgang mit den Missbrauchsfällen sei sicher ein Beleg dafür, „dass die Institution Kirche an der eigenen Selbstfixierung leidet“, schrieb Hanke in einem Gastkommentar für die „Herder Korrespondenz“. Es habe ein Bewusstsein gefehlt, wie verheerend ein falscher Umgang mit den Tätern sein könne. „Ich spreche hier kein Schuldurteil über andere, ich schließe mich selber ein“, betonte Hanke.

„Die Vertuschung hat ihre Ursache in diesem geschlossenen Kreis, in dem die Selbstkritik keinen Platz hat.“ Es habe daher nach den Missbrauchstaten zu oft ein Inner-Circle-Denken geherrscht. „Nach dem Motto: Junge, Du hast gesündigt, aber es wird schon wieder“, sagte Hanke und ergänzte: „Da kam das Opfer nicht vor.“

Sexueller Missbrauch durch Geistliche wurde in der Vergangenheit in vielerlei Hinsicht und in vielen Ländern kleingeredet oder vertuscht - auch in Deutschland. In einer von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen und im September 2018 veröffentlichten Studie waren etliche Missbrauchsfälle dokumentiert worden.

Update am 20. April 2019: In einem Aufsatz sieht Papst Benedikt in der 68er-Bewegung und der damit einhergehenden sexuellen Revolution eine Ursache für Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Durch die 68er habe sich „ein Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie ereignet, der die Kirche wehrlos gegenüber den Vorgängen in der Gesellschaft machte“. Die vorher gelten Maßstäbe in Fragen der Sexualität seien „vollkommen weggebrochen“, es sei eine „Normlosigkeit entstanden“.

Der Aufsatz im bayerischen Klerusblatt hatte für Empörung und zahlreiche kritische Reaktionen gesorgt. Nun meldete sich auch der Passauer Bischof Stefan Oster zu Wort - und verteidigte Papst Benedikt. Er sei dem Papst „sehr dankbar“ für den Aufsatz. Er lese den Text "schlicht als Ausdruck seines Mitgehens, Mitfühlens und Mitleidens mit der Kirche, mit der geschichtlichen Situation, in der wir stehen und in die wir gekommen sind, mit den Menschen, die in der Kirche handeln und mit denen, die von der Kirche misshandelt worden sind", schreibt Oster auf seiner Internetseite.

Papst Benedikt habe eine Gottlosigkeit und eine Entfremdung vom Glauben in der Gesellschaft beklagt. Oster sieht es genauso: "Wenn Gott nicht mehr als anwesend geglaubt wird, verlagert sich die Einschätzung dessen, was Sünde ist, vor allem in mein eigenes, subjektives Urteil.“ Eine aus seiner Sicht „gefährliche Bedrohung“.

Update vom 17. April, 7.30 Uhr: Angesichts der Enthüllungen über den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche erwartet die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ein stärkeres Gegensteuern der Kirche. „Die katholische Kirche trägt ohne Wenn und Aber Schuld daran, dass sie die Aufklärung dieser Verbrechen an den Kindern systemisch verhindert und damit auch den Missbrauch ermöglicht hat. Das ist die große Schuld, die die Kirche in sich trägt“, sagte sie der Zeitschrift „Publik-Forum“. „Die Bemühungen, die es jetzt gibt, reichen bei Weitem nicht aus, um dafür zu sorgen, dass sich ein solches Versagen der Institution Kirche........

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