Lieber ein Leben als Katzenfrau – wenn ich Single wäre, würde ich nicht mehr daten |
Lieber ein Leben als Katzenfrau – wenn ich Single wäre, würde ich nicht mehr daten
Ob «Manosphere» oder der Fall Collien Fernandes: Ständig liest und hört man von furchtbaren Dingen, die Männer Frauen antun und sie grauenhaft behandeln. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir die Datingwelt antun würde, wenn ich stattdessen gemütlich mit meinen Katzen leben könnte. Oder Hunden. Oder Lamas.
Moderatorin Collien Fernandes erzählt, wie ihr Mann sie als Besitz sah. Und er ist mit dieser Einstellung nicht allein.
Seit Tagen wimmelt es auf meinem Social-Media-Feed von Ausschnitten der «Manosphere»-Doku, in denen diese «Alpha-Männchen» Stuss von sich geben und dabei sie in die Kamera quatschen, als wäre es ihr YouTube-Video und keine Netflix-Produktion des Journalisten Louis Theroux. Wer sich das Ganze noch anschauen will, sollte den Fernseher festnageln, denn man muss sich gewaltig zusammenreissen, ihn nicht aus dem Fenster zu werfen.
«Männer erfinden, bauen und erhalten die Gesellschaft», plappert einer. Ein anderer stellt die Frau an seiner Seite als seinen Geschirrspüler vor. Und an anderer Stelle fallen die Worte «einseitige Monogamie», die natürlich nur auf die Frau zutrifft. Es wäre sogar lustig, wie lächerlich sie sich damit machen – wenn es nicht so todernst wäre.
Der Albtraum aller Menschen mit gesunden Emotionen: Andrew Tate ist der wohl berühmteste selbsternannte «Alpha Mann».
Dann kam der schockierende Fall von Collien Fernandes ans Licht, deren damaliger Ehemann sie über Jahre hinweg online irgendwelchen Männern virtuell zum Frass vorwarf. «Weil er mich besitzt, ich bin schliesslich seine Ehefrau», schreibt sie auf Instagram. Und da ist es wieder: ein Mann ohne den geringsten Respekt vor einer Frau.
Was Collien beschreibt, lässt einem die Haare zu Berge stehen. Über zehn Jahre lang teilte er in ihrem Namen nahezu perfekt gefälschte Nacktbilder und Videos. «Hunderten von Männern» hatten sie gesehen: «‹Meinen› gespreizten nackten Schritt, ‹meinen› nackten Körper. Menschen aus der Branche glaubten, dass ich tatsächlich dahinterstecke.» Dazu teilte er furchtbare Vergewaltigungsfantasien – ebenfalls in ihrem Namen.
Auf Instagram erzählt Collien Fernandes ihre Geschichte.
Man kann sich kaum vorstellen, wie es ihr ging, als herauskam, dass nicht irgendein kranker Internet-Troll dahintersteckte, sondern ihr eigener Ehemann, mit dem sie 14 Jahre verheiratet war. Der Vater ihrer Tochter.
Oft wimmelt es unter Posts wie ihrem Kommentaren, in denen die Frau angegriffen wird. Frei nach dem Motto: «Was hat sie getan, das ihn dazu brachte?» Bei Collien sind es jedoch Tausende Kommentare, auch von Aktivistinnen, Autorinnen und Promi-Frauen, die ihr für ihren Mut und ihre Offenheit danken. Denn das Grauenhafte ist, dass sehr viele Frauen ihre eigenen Geschichten haben: über Männer, die gewalttätig wurden, Männer, die Grenzen niedertrampelten, Männer, vor denen man Angst hatte.
Collien Fernandes und Ex-Mann Christian Ulmen waren 14 Jahre verheiratet.
Natürlich sind es nicht – und das ist jetzt ganz unironisch gemeint – alle Männer. Aber woher soll man denn wissen, welche dazu gehören? Oder ob der eigene Partner dazu fähig ist? Ich bin sicher, Collien hätte das vorher genauso beantwortet wie wohl jede Frau: «Nein, das würde er nie tun.» Denn dummerweise laufen solche – ich möchte mich in diesem Fall nicht für diese Ausdrucksweise entschuldigen – Arschlöcher nicht mit grossen leuchtenden Warnschildern herum.
Und doch gibt es gute Männer. Man muss einfach daran glauben, denn sonst sind wir als Gesellschaft verloren. Sie sind in ihrem normalen, anständigen Verhalten einfach nur viel leiser als besagte Arschlöcher. Das Problem mit unserer Wahrnehmung ist dasselbe wie immer, wenn schlimme Dinge in der Welt passieren: Wir sehen mehr von dem, was um uns herum passiert, als früher. Auch mehr schlimme Dinge. Und ja, die Welt ist nicht annähernd perfekt, aber zumindest statistisch gesehen sicherer als je zuvor: Beim Verkehr, bei der Gesundheit, beim Essen – und bei den Frauenrechten.
Und doch findet das, was Collien Fernandes in ihrem Instagram-Post schreibt, «tagtäglich unter uns statt, sogar in unseren Schutzräumen und unserem Zuhause, wo wir uns sicher wähnen.» Was also tun? Single bleiben und mit ein paar Katzen, Hunden oder Lamas ein friedliches Leben in den eigenen vier Wänden führen? Klingt nicht schlecht. Doch als Mama eines Sohnes, der irgendwann zum Teenager mutiert und dann ein erwachsener Mann wird, ist mir das nicht genug.
Louis Theroux geht mit «Inside the Manosphere» als gutes Vorbild voran.
Klar kann man Kindern vorleben, wie man anständig miteinander umgeht, und versuchen, sie so lange wie möglich von der mit «Alpha-Männern» überfluteten Social-Media-Welt fernzuhalten. Doch auch dann gibt es noch genug andere, die sie damit infizieren können. Und ist dieser Mist erst einmal drin, rennt man als Frau schnell gegen eine Wand. Darum, liebe anständige Männer da draussen: Macht den Mund auf. Seid nicht nur da, seid laut, seid sichtbar! Wir Frauen kämpfen seit einer Ewigkeit und werden auch weitermachen, doch der Ball liegt bei euch.
Louis Theroux macht genau das mit seiner Doku. «Inside the Manosphere» ist von einem Mann gemacht, der aufzeigt, wie lächerlich und peinlich diese ach so männlichen Typen sind. Und wie falsch. Denn sie geben nicht nur gefährliches Zeug von sich – sie lügen und spielen eine Rolle, um online berühmt zu werden. Und eines fällt auf: Die meisten von ihnen hatten als Kind keine guten männlichen Vorbilder um sich. Sie halten Freundschaften für schwach, Liebe sowieso, genau wie alle anderen Emotionen – ausser Wut. Und trotzdem wollen sie dazu gehören und sich verbunden fühlen. Stattdessen behandeln sie Frauen wie Dreck und nicht wie Menschen, die genau das tun, wovor sie Schiss haben: darauf vertrauen, dass das Gegenüber sie nicht verletzt. Doch bei Frauen stehen dabei mehr als nur ihre Gefühle auf dem Spiel.
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