Streit um Franken: Das Aus der Industrie führt ins Trump-Land

Streit um Franken: Das Aus der Industrie führt ins Trump-Land

Von Florence Vuichard

Bei jeder Krise wird der Franken für die Industrie zum Krisenverstärker. Politik und Nationalbank sollten die Warnrufe ernster nehmen.

Der harte Franken stellt die Industrie vor Probleme.

Es war das Fernduell der Woche: Nick Hayek, Galionsfigur im Widerstand gegen den helvetischen Zoll-Bückling vor den USA, teilte wieder mal kräftig aus. Martin Schlegel, Nationalbank-Chef und Verteidiger einer unabhängigen Geldpolitik, antwortete auf gewohnt zurückhaltende Art. Er versprach aber immerhin eine «erhöhte» Bereitschaft zur Intervention am Devisenmarkt.

Das ist etwas Balsam auf die Seele der gebeutelten Schweizer Industrieunternehmen. Denn mit den vielen Komplimenten, die sie regelmässig von allen Seiten für ihre Innovationskraft und ihre Flexibilität erhalten, können sie weder Löhne zahlen noch notwendige Investitionen tätigen. Die rasant starke Aufwertung des Frankens frisst ihnen die Margen weg. Oder wie es jüngst der oberste Industrievertreter des Landes, Martin Hirzel, gegenüber der «Schweiz am Wochenende» formulierte: «Es ist frustrierend». Es werde alles zunichtegemacht durch eine erneut stärker werdende Währung.

Der Franken ist seit Jahren immer wieder ein Hort für Investoren, die Schutz vor Krisen suchen. Und so dürfte der Aufwertungsdruck auch jetzt mit dem Iran-Krieg weiter zunehmen. Die Schweiz ist zurecht stolz auf ihre eigene Währung. Doch es kann nicht im Gesamtinteresse des Landes sein, wenn der Franken für die Industrie in jeder Krise zum Krisenverstärker wird.

Politik und Nationalbank tun gut daran, die Warnrufe der Schweizer Industrie ernster zu nehmen. Denn ist die Industrie mal weg, kommt sie nicht so schnell zurück. Das muss derzeit US-Präsident Donald Trump erfahren, der – mit zugegeben äusserst fragwürdigen Methoden – erfolglos versucht, sein Land zu reindustrialisieren.

Das Beispiel der USA zeigt, wohin es führen kann, wenn industrielle Arbeitsplätze verschwinden. Im schlimmsten Fall zu Politikern wie Trump. Soweit sollte es die Schweiz nicht kommen lassen.

Der Franken ist beliebt, aber auch herausfordernd.

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