Mein Bundespräsident im freundlichen Handschlag mit dem autoritären Präsidenten

Mein Bundespräsident im freundlichen Handschlag mit dem autoritären Präsidenten

Als Guy Parmelin nach Belgrad reist, schmückt sich die serbische Hauptstadt mit Schweizerkreuzen. Doch hinter den Bildern des Staatsbesuchs liegt ein Land voller Proteste, Einschüchterung und ungelöster Geschichte.

Bundespräsident Guy Parmelin wird am 28. April vom serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic in Belgrad empfangen

Vor einigen Wochen staunte ich nicht schlecht. Als ich in Belgrad aus dem Haus komme, bin ich umzingelt von Schweizerfähnlein. An jeder Strassenlaterne steckt eins, auch auf Abschnitten der Strassenbahn wurden Fahnen montiert. Das Schweizerkreuz leuchtet sogar am Nachthimmel über der Save, projiziert auf den höchsten Turm der Stadt.

Der Anlass: Staatsbesuch von Bundespräsident Guy Parmelin, zur Feier von 110 Jahren diplomatischen Beziehungen.

Gespannt verfolge ich die Schweizer Medien und den Social-Media-Auftritt des Bundespräsidenten. Im Radio ein zahmes Interview mit dem serbischen Botschafter in Bern, dazu die üblichen Pressefotos. Händeschütteln, posieren vor Fahnen, abschreiten einer Militärparade. Natürlich auch der obligate Besuch einer Produktionsstätte, in diesem Fall eine Mayonnaisefabrik. Geht so ein Staatsbesuch bei einem Präsidenten wie Aleksandar Vučić?

Serbiens Demokratie ist beschädigt, Menschenrechtsorganisationen sprechen von einer beginnenden Autokratie. Seit 2024 kommt........

© Luzerner Zeitung